Mehr als ein Viertel der unter 25-jährigen Männer wählt AfD. Einige wie Loki sorgen sich deshalb, andere wie Nils finden, die AfD hat Recht. Welches Männerbild haben sie? Wie beeinflusst sie Social Media? Zeigen sie ihre Gefühle? Ihre Antworten.
Unser Reporter Florian Brückner ist quer durch Deutschland gefahren und hat mit unter 25-jährigen Männer gesprochen und sie zu ihrer Vorstellung von Männlichkeit, der Beeinflussung durch Social Media, ihre Haltung zu Gefühlen und zur AfD gefragt.
"Was bedeutet für dich, ein Mann zu sein?"
Einige der Befragten haben Florian geantwortet, dass Männer eher stark, rational, entscheidungsfreudiger und weniger empathisch als Frauen seien. Auch biologisch wurden Unterschiede zwischen Männern und Frauen begründet. Andere erkennen auch ihre Privilegien, die sie als Männer gegenüber Frauen in der Gesellschaft haben.
Eine offene Abwertung von Frauen hat keiner der Befragten gegenüber Florian geäußert. Die Soziologin Katja Sabisch ist Professorin für Gender Studies an der Ruhr Uni Bochum und hält eine Abgrenzung vom Weiblichen in der Phase der Pubertät für eine normale Entwicklung bei der Identitätsbildung. Das könne allerdings Richtung Radikalisierung kippen, wenn negative Einflüsse beispielsweise von Manfluencern oder der Peer Group hinzukommen.
"Sprichst du über deine Gefühle? Und wenn ja, mit wem?"
Für die meisten, mit denen Florian gesprochen hat, war es nicht selbstverständlich über die eigenen Gefühle zu sprechen. Wichtig ist die Familie, Freundeskreis oder bester Freund, wo man sich sicher fühlt und Gefühle äußern kann. Das Bild von "unmännlich", wenn Gefühle gezeigt werden oder geweint wird, ist stark verankert.
Damit Männer im jungen Erwachsenenalter nicht falsch abbiegen und sich Richtung Manosphere, Frauenhass und Radikalität entwickeln, sind diese sozialen Bindungen zu Familie und Freunden entscheidend, um aus dem toxischen Umfeld wieder herauszufinden, betont Soziologin Katja Sabisch.
"Ich kann an diesen Gesprächen ganz gut sehen, wie wirkmächtig diese Stereotype und diese Geschlechterklischees sind."
"Warum wählen viele unter 25-Jährige AfD?"
Die Aussagen der Befragten zur AfD waren sehr unterschiedlich, sagt Florian. Einige äußern sich besorgt über den Trend, dass immer mehr unter 25-Jährige AfD wählen. Andere stimmen der Politik der AfD zu, insbesondere im Bereich der Migrationspolitik.
Soziologin Katja Sabisch erklärt, dass autoritäre Politik mit Geschlechterthemen mobilisiert. Über Social Media werden junge Männer mit diesen Themen angesprochen und in ein autoritäres und rechtsextremes Denken hineingezogen. Mit dieser Art Männlichkeitspropaganda mobilisieren sie gegen ein vermeintlich feindliches Äußeres.
"Wie nutzt du Social Media?"
Die Befragten haben Florian davon berichtet, dass sie die Polarisierung auf Social Media deutlich wahrnehmen. Dennoch halten sie ein Social-Media-Verbot für Jüngere nicht für die richtige Lösung.
Katja Sebisch sieht eine Gefahr in der Kombination aus autoritärem Zeitgeist mit Social Media, diese könne schnell zur Radikalisierung führen. Auf Social Media würde man als junger Mann sehr schnell mit frauenfeindlichen Inhalten konfrontiert werden. Schlagworte wie Muskelaufbau, Rolex und schnelle Autos heizen die Algorithmen an, die diese mit antifeministischen und rechtsextremen Inhalten verknüpfen. So werde man in eine Blase hineingezogen - insbesondere wer dafür gerade besonders empfänglich ist.
