Der Anteil der Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen steigt langsam. Einige Dax-Unternehmen allerdings wollen gar nichts verändern.

Die Allbright-Stiftung hat nachgezählt, wie es in den Vorständen deutscher, börsennotierter Unternehmen mit dem Frauenanteil aussieht. Aktuell liegt er bei knapp zehn Prozent - deutlich weniger als beispielsweise in den USA, Frankreich, Großbritannien und Schweden.

Konkret sieht die Verteilung so aus: 641 Männer, 66 Frauen (Stand: 1. September 2019). Im Vergleich zu den Vorjahren gab es bei dieser Zählung insgesamt mehr Wechsel in den Vorständen. Das liege auch an vielen Neu-Rekrutierungen, sagt Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung.

"Interessanterweise würde öfter ein Mann ersetzt als eine Frau: Jeder fünfte Mann hat seinen Posten verlassen, aber nur jede vierzehnte Frau - sodass dann der Frauenanteil langsam aber stetig ansteigt. "
Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin Allbright-Stiftung

Im Verhältnis verlassen weniger Frauen ihren Vorstandsposten als Männer. Dadurch könnte in Zukunft der Frauenanteil steigen. Muss er aber nicht - das hängt stark von den Zielvorgaben der Unternehmen ab. Sie sind verpflichtet, ihre Zielvorgabe beim Frauenanteil bis zum Jahr 2022 zu veröffentlichen, es gibt aber keine vorgeschriebenen Zielgröße. Insofern ist auch eine Zielvorgabe von "Null" möglich.

Ziel: Null Prozent Frauen

Bei der Untersuchung der Stiftung zeigte sich, dass 58 von 160 Börsenunternehmen einen Anteil von Null Prozent Frauen anvisiert haben. Sanktioniert werde dieses Verhalten nicht, sagt Wiebke Ankersen.

"Es gibt viele Unternehmen, die gern wenigstens eine Frau haben wollen. Und dann gibt es welche, die von Vornherein Null schreiben - die versuchen es dann auch gar nicht. Das wird auch nicht sanktioniert, und das ist sicher auch der Grund dafür, warum sie das tun."
Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin Allbright-Stiftung

Aufsichtsräte machen es anders

Dass es weniger Frauen in Vorständen gebe, erklärt Wiebke Ankersen auch dadurch, dass Führungspositionen in deutschen Unternehmen weniger reizvoll seien, da viele Unternehmen von einem konservativen Führungsstil geprägt seien. Frauen würden zudem weniger gesehen oder gefragt. Das Argument, es gebe keine qualifizierten Frauen, betrachtet Wiebke Ankersen eher als Ausrede. Das habe sich in Aufsichtsräten gezeigt, nachdem hier eine Quote eingeführt wurde.

"Als die gesetzliche Verpflichtung von 30 Prozent im Aufsichtsrat kam, waren diese Frauen plötzlich da. Und siehe da: Sie waren auch kein Stück weniger qualifiziert als die Männer."
Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin Allbright-Stiftung