Die Gletscher in Asien schmelzen – und das kann verheerende Folgen haben: Die Wasserversorgung Chinas ist gefährdet.  

Er ist einer der am schnellsten schrumpfenden Gletscher weltweit – der Baishui Nr. 1 im Süden von China – direkt am südöstlichen Rand des sogenannten dritten Pols der Erde. Nach der Antarktis und Grönland verfügt diese Region über die drittgrößte Eismasse unseres Planeten, erklärt unser Korrespondent Axel Dorloff. Vierzehn der höchsten Berge der Welt ragen hier in den Himmel. Eigentlich eine Region ewigen Eises. Wenn da nicht der Klimawandel wäre. Einige der dortigen Gletscher haben seit Anfang der Achtzigerjahre schon über die Hälfte ihrer Masse verloren. Bei anderen sind es sogar bis zu 80 Prozent. 

Die Folgen sind verheerend: Das tibetische Hochland und der Himalaja sind extrem wichtig für die Wasserversorgung in China. Drei der wichtigsten Flüsse des Landes entspringen dort: der Jangtsekiang, der Gelbe Fluss und der Mekong. Auch deshalb wird es Wassertank Chinas genannt – und durch das Abschmelzen der Gletscher ist der Nachschub für diesen Wassertank gefährdet. Auch viele Seen dieser Region sind schon ausgetrocknet. 

Schon jetzt gibt es ein großes Problem mit Wasserknappheit in China, das sich noch verschärfen könnte. Auch die Tiefe des Permafrostes verringert sich. Die Folge: Straßen stürzen im tibetischen Hochland in sich zusammen, weil der Boden weicher wird. Außerdem vertrocknet das Gras. Und damit die Nahrungsgrundlage für die Schafe und Rinder der tibetischen Hirten. Ackerbau ist auf Höhen von 3000 Metern unmöglich.  

"Wenn das Gras- und Weideland weniger wird, haben die Bewohner des tibetischen Hochlandes ein Problem."
Axel Dorloff, Korrespondent für China

Immerhin: China schickt viele Forscherteams in die Region, die Daten über Temperatur, Windgeschwindigkeit, Regen oder Luftfeuchtigkeit sammeln. Sensoren messen Strömungen von Flüssen, die von Schmelzwasser gespeist werden. Außerdem sollen Kunstschnee und Staudämmen die Luftfeuchtigkeit erhöhen, um die Schnee- und Eisschmelze zu bremsen. Außerdem dürfen weniger Touristen auf die Gletscher klettern.

"Wir wissen: Die Folgen des Klimawandels sind nicht einfach zu bekämpfen. Schon gar nicht auf lokaler oder regionaler Ebene."
Axel Dorloff, Korrespondent für China

Trotz aller Anstrengungen – unser Korrespondent kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Das sind alles nur Tropfen auf den heißen Stein. Klar ist: China spürt gerade massiv die Folgen des Klimawandels. Gletscher schmelzen, Flüsse trocknen aus, Wüsten breiten sich immer weiter aus, wegen Dürren fallen immer wieder Ernten aus. Das große Problem: Wirklich effektive Gegenmaßnahmen zeichnen sich bisher nicht ab.