Ihr müsst euch nur mal in eurem eigenem Wohnzimmer umsehen, um zu erkennen: Wir sind umgeben von Elektrogeräten. Weltweit betrachtet wird das zu einem massiven Problem, denn es wird viel zu wenig recycelt. Auch in Deutschland gibt es noch großen Nachholbedarf, sagt der Global E-Waste Monitor.

Die Menschheit hat im Jahr 2019 stattliche 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert, heißt es im Global E-Waste Monitor 2020, der unter anderem von UN-Forschungseinrichtungen herausgegeben wird. Das entspricht dem Gewicht von 350 vollgeladenen Kreuzfahrschiffen vom Typ Queen Mary 2, das zu den größten Passagierschiffen der Welt zählt.

Steigende Tendenz

53,6, Milionen Tonnen sind 20 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Und wenn der Trend so weitergeht, dann sind wir in zehn Jahren bei 74 Millionen Tonnen und 2050 bei über 100 Millionen Tonnen Elektroschrott.

"Elektroschrott ist all der Müll, der einen Stecker hat oder eine Batterie."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Von großen Geräten wie Kühl- oder Eisschränken über kleinere wie Kaffeemaschinen und Toaster bis zu Computern, Handys und Gadgets – all das ist Elektroschrott. Mit 17,4 Millionen Tonnen machten die kleinen elektrischen Geräte 2019 insgesamt sogar den größten Anteil aus, berichtet Verena von Keitz von Deutschlandfunk Nova.

Immer mehr Geräte weltweit

Es gibt gleich mehrere Gründe, dass der globale Elektroschrotthaufen immer weiter wächst, schreiben die Autoren der Studie:

  • Wir Menschen stellen immer mehr elektrische Geräte her, gerade Kleingeräte für die Küche oder als Spielzeug.
  • Die Geräte haben oft nur eine kurze Lebensdauer.
  • Inzwischen können sich immer mehr Menschen – zum Beispiel in asiatischen Raum – elektrische Geräte leisten, die dafür vorher kein Geld hatten.

Aus Kostengründen werden häufig Schiffsladungen voller Elektroschrott in ärmere Länder verschifft.

Gefährliche Inhaltsstoffe

Das ist ein großes Problem, weil der Müll viele giftige Bestandteile enthält, die in die Umwelt gelangen können und gefährlich sind für die Menschen, die damit beim unsachgemäßen Auseinanderbauen in Kontakt kommen. Nur ein fachgerechtes Recycling könnte Abhilfe schaffen – doch bei weniger als einem Fünftel des weltweiten E-Mülls ist das der Fall.

"Eigentlich braucht es richtig gutes Recycling – doch vom weltweiten Elektroschrott wurde 2019 weniger als ein Fünftel recycelt."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Die EU steht mit einer Recyclingquote von über 40 Prozent vergleichsweise gut da.

EU hinkt eigenen Zielen hinterher

Trotzdem liege sie damit deutlich hinter den selbstgesteckten Zielen, sagt Rüdiger Kühr, Direktor der Universität der Vereinten Nationen mit Schwerpunkt Sustainable Cycles und Mitautor der aktuellen Studie.

"Die Mitglieder der EU haben sich selbst auferlegt, seit 2019 65 Prozent Sammelquote zu erreichen – und von dieser Messlatte sind wir natürlich weit entfernt."
Rüdiger Kühr, Direktor der Universität der Vereinten Nationen

Eine Recyclingquote von nur gut 40 – statt anvisierten 65 – Prozent ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch Geldverschwendung, sagt Verena von Keitz. Denn gerade im Elektroschrott stecken Edelmetalle wie Gold, Silber, Kupfer, Platin oder andere Bestandteile wie seltene Erden. Und die sind eigentlich heiß begehrt.

Elektroschrott recyceln im Alltag ist zu kompliziert

Dass wir Menschen das nicht besser hinkriegen mit dem Sammeln, habe unter anderem damit zu tun, dass es sehr viel komplizierter ist, Elektroschrott loszuwerden als Papier- und Plastikmüll, sagt Rüdiger Kühr.

"Wir haben Sammeltonnen vor unserem Haus stehen für Restmüll, Papier, Wertstoffe und Biomüll. Aber die wirklich wertvolle Komponente in unseren Abfällen, nämlich der Elektroschrott, den müssen wir ausgedehnt irgendwo hinbringen."
Rüdiger Kühr, Direktor der Universität der Vereinten Nationen

E-Schrott muss oft extra zum Recyclingcenter oder zum Fachmarkt gebracht werden. Oft wissen Verbraucher auch gar nicht, wohin damit. Gerade kleinere Teile landen so schnell im Restmüll. Das müsste auf jeden Fall viel einfacher werden, findet Verena von Keitz.

Finanzielle Anreize schaffen

Möglichkeiten für einen finanziellen Ansporn werden teilweise schon genutzt: Wer beim Kauf eines neuen Geräts das alte abgibt, muss manchmal weniger zahlen.

Rüdiger Kühr nennt noch einen weiteren Ansatz: Wenn die Herstellerfirmen von Fernsehern, Computern oder Kühlschränken uns nicht mehr nur das Gerät verkaufen würden, sondern gleich auch die Dienstleistung, mit der sie uns ein funktionierendes Elektrogerät garantieren, dann könnte das für weniger Elektroschrott sorgen. Der Hersteller würde das Gerät dann zum Beispiel zunächst reparieren und nach einer gewissen Zeit austauschen. Für die Hersteller läge der Vorteil darin, dass sie die verwendeten Rohstoffe frei Haus zurückzubekommen.