Der Glücksatlas untersucht seit 1983 wie zufrieden Menschen in Deutschland sind. Durch die Pandemie hat es einen Einbruch gegeben. Vor allem junge Frauen sind unglücklicher.

Die Corona-Pandemie und all das, was damit verbunden ist, hat vielen von uns zugesetzt. Eine neue Studie – der sogenannte Glücksatlas – bestätigt das. Bernd Raffelhüschen Professor am Institut für Finanzwissenschaften und Sozialwirtschaft an der Uni Freiburg untersucht als wissenschaftlicher Leiter des Glücksatlas mit seinem Team seit 1983 jedes Jahr, wie glücklich die Menschen in Deutschland sind und wie sich das verändert.

"Generell hat es einen echten Glückseinbruch gegeben."
Bernd Raffelhüschen, wissenschaftlicher Leiter des Glücksatlas

Über Jahre hinweg waren die Menschen in Deutschland sehr zufrieden mit ihrem Leben – Tendenz steigend. In diesem Jahr wurde dieser Trend nun gebrochen: Corona ist der Grund. "Und das hat einen großen Glückseinbruch gegeben", sagt Bernd Raffelhüschen. So einen Einbruch habe es noch nie gegeben, seit der Glücksatlas erscheint.

Normalerweise sind Frauen erst im Alter unzufrieden

Vor allem Frauen sind demnach unglücklicher als in den Jahren zuvor. Bernd Raffelhüschen erklärt es damit, dass Frauen normalerweise die zufriedeneren Menschen sind – im Vergleich zu den Männern. Erst am Ende des Lebens ändere sich das. Da Männer im Durchschnitt früher sterben als Frauen, seien viele Frauen am Ende ihres Lebens alleine. Und das wirke sich seit Jahren auf die Zufriedenheit in dieser Lebensphase aus.

"Die glücklichsten Menschen sind immer junge Frauen gewesen"
Bernd Raffelhüschen, wissenschaftlicher Leiter des Glücksatlas

Nun – nach den Ergebnissen des aktuellen Glücksatlas – seien alle unzufriedener geworden, aber ganz besonders jüngere Frauen. "Frauen unter 35 Jahren – das sind die zufriedensten Menschen, die wir in Deutschland kennen – die haben deutlich verloren", sagt der Wissenschaftler. Verantwortlich seien Corona und die Lockdowns. Vor allem die Kontaktbeschränkungen haben zur Unzufriedenheit beigetragen, aber auch die wirtschaftlichen Einbussen der Coronapandemie zeigten sich deutlicher auf der Seite der Frauen. Und ebenso sei die Betreuung der Kinder und das Homeschooling vor allem zu Lasten der Frauen gegangen.

"Es liegt der Schluss nahe, dass die tradierten Rollenbilder gestärkt worden sind."
Bernd Raffelhüschen, wissenschaftlicher Leiter des Glücksatlas