Eine Studie zeigt: Hummeln schaffen es bei Nahrungsmangel besonders schlecht, ihre Brut zu wärmen, wenn sie mit Glyphosat in Kontakt kommen.

Glyphosat ist umstritten. Die WHO stuft es als potenziell krebserregend ein, es gibt zudem Hinweise auf Nervenschäden und den Verdacht, dass das Insektensterben auch auf den Einsatz von Glyphosat zurückzuführen ist.

Letzteres wird jetzt durch eine neue Studie bestätigt. Forschende der Universität Konstanz haben eine Schadwirkung bei Hummeln nachgewiesen. Genauer: Glyphosat kann dazu führen, dass sich Nahrungsmangel auf Hummeln noch drastischer auswirkt als es normalerweise, also ohne Glyphosat, der Fall wäre.

Nest ist zu kalt

Dazu haben die Forschenden Hummeln in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine erhielt mal viel, mal wenig Zuckerwasser. Die andere ebenfalls – allerdings war das Zuckerwasser jeweils mit so viel Glyphosat versehen, wie es auch auf einem Acker in der Landwirtschaft der Fall sein kann, auf dem Glyphosat zum Einsatz kommt.

Die erste Erkenntnis: Die mit Glyphosat belasteten Hummeln verwendeten weniger Zeit und Aufwand für die Pflege der Brut. Solange alle Hummeln ausreichend Futter erhielten, hielten sich die negativen Folgen für die Brut aber in Grenzen.

Die zweite Erkenntnis: Sobald das Futter knapp war, und das kommt in der Natur immer wieder vor, schafften es die Hummeln der Glyphosat-Gruppe weitgehend nicht mehr, ihre Nester auf der notwendige Temperatur von über 28 Grad Celsius zu halten. Ist die Temperatur zu lange zu gering, entwickelt sich die Brut zu langsam oder gar nicht.

"Viele Fachleute im Bereich Naturschutz und Biologie finden diese Studie wichtig, weil sie zeigt, dass Tiere auch indirekt geschädigt werden können."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Studie der Uni Konstanz zeigt also einen indirekten Zusammenhang zwischen dem Sterben von Hummeln – besser gesagt: Dem Nicht-Vermehren – und Glyphosat.

Ob das einen Einfluss auf die Frage hat, ob Glyphosat in der EU weiter zugelassen wird, hängt auch davon ab, wie weitreichend die Auswirkungen von Glyphosat betrachtet werden. Bei den Tests, ob ein Unkrautvernichtungsmittel schädlich ist für zum Beispiel Insekten, wird normalerweise bisher nur untersucht, wie viele Tiere nach einem Kontakt mit dem Unkrautvernichtungsmittel sterben. Weniger Gegenstand von Untersuchungen ist bisher, inwiefern es das Verhalten von Tieren verändern kann.

Bundeslandwirtschaftsministerium: Verzicht auf Glyphosat hat auch Nachteile

Weltweit ist Glyphosat seit Jahren der Inhaltsstoff von Herbiziden, der am meisten verwendet wird. Glyphosat lässt alle damit behandelten Pflanzen absterben – mit Ausnahmen der Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert worden sind, dass sie eine Herbizidresistenz gegenüber Glyphosat besitzen. Glyphosat kann also auch während der Wachstumsphase der Nutzpflanzen eingesetzt werden.

In Deutschland ist letzteres aber nicht zulässig. In der Landwirtschaft wird Glyphosat hier nur vor oder nach dem Anbau von Feldfrüchten eingesetzt. Im privaten Bereich, etwa in Gärten, aber auch in Parks und anderen öffentlichen Flächen, darf Glyphosat seit September 2021 nicht mehr verwendet werden.

Laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium hätte ein komplettes Verbot von Glyphosat auch Nachteile – zum Beispiel, weil dann mehr gepflügt werden müsste, um Unkraut zu vernichten. Das erhöht den Kraftstoffverbrauch in der Landwirtschaft und kann den Böden langfristig schaden. Eine andere Möglichkeit wäre es, verschiedene andere Unkrautvernichtungsmittel anzuwenden oder geringere Erträge in Kauf zu nehmen.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova