Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat das Pflanzenschutzmittel Glyphosat als "wahrscheinlich nicht krebserregend" eingestuft. Von dieser Entscheidung hängt ab, ob Glyphosat in der EU weiter zugelassen wird oder nicht.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat für die Efsa Studien zum Thema Glyphosat ausgewertet. Und kommt zu einem anderen Ergebnis als die WHO. Die hat das Pflanzenschutzmittel dieses Jahr als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Britta Fecke ist Wissenschaftsjournalistin, sie sagt, diese unterschiedlichen Einstufungen kommen daher, dass weder die eine noch die andere Behörde selbst Studien in Auftrag gegeben hätten. Hinzu käme, dass das deutsche BfR ohnehin als "relativ industriefreundlich" gelte. "Die haben zum Teil auch Studien hinzugezogen, die von den Herstellern in Auftrag gegeben wurden."

"Die EU-Kommission muss entscheiden, ob das Totalherbizid weiter gespritzt werden darf oder nicht. Und die Kommission wird wahrscheinlich der Empfehlung der Efsa folgen. Damit wird Glyphosat weiter auf dem Acker bleiben."
Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke über Glyphosat

Wem können wir glauben

"Mich würde das misstrauisch machen"

In dieser komplizierten Gemengelage bleibt eine Frage auf der Strecke: Wem können wir in Sachen Glyphosat glauben? Britta Fecke appelliert an den gesunden Menschenverstand. "Schauen wir uns mal so einen braun gespritzten Acker an: Die gehen mit Glyphosat über den Acker, dann wächst da nichts mehr. Zum Beispiel, wenn neue Saat ausgebracht werden soll und der Acker völlig frei von Unkraut sein soll. Dieser Wirkstoff geht über den Stoffwechsel der Pflanze und tötet alles ab. Mich würde das misstrauisch machen", sagt Britta Fecke

"Wenn man irgendwo drauf spritzt und alles ist tot: Gesund kann das nicht sein. Es kommt natürlich auf die Dosis an."
Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke hat eine klare Haltung zu Glyphosat

Glyphosat. Wahrscheinlich krebserregend oder nicht?

In Argentinien kommt Glyphosat schon lange zum Einsatz und zwar auf Sojafeldern. Dort wird gentechnisch verändertes Soja angebaut, das als einzige Pflanze nicht stirbt, wenn die Giftspritze über den Acker geht. "Bei den Menschen, die an diesen großen Äckern leben, ist eine signifikante Erhöhung von bestimmten Krebserkrankungen nachgewiesen worden", sagt Britta Fecke.

"Wo ein extremer Glyphosateinsatz ist und das schon seit Jahrzehnten, da geht es den Menschen einfach schlechter und die Krebsrate nimmt zu. Das würde mir reichen, egal, was die Experten in der EU sagen."
Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke macht sich ein eigenes Bild von Glyphosat

Die Politik lässt sich von diesen Beobachtungen nicht beeinflussen. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass die Unternehmen, die mit Glyphosat Geld verdienen, starke Lobbyarbeit machen, sagt Britta Fecke. "Das sind milliardenschwere Agrarkonzerne, die haben sich schon oft durchgesetzt." Auch für die Landwirte sei die Glyphosat-Spritze praktischer, als den Acker einmal komplett umzubrechen.

Grenzwerte erhöht

Der Grenzwert für die Aufnahme von Glyphosat soll ebenfalls erhöht werden: von 0,3 auf 0,5 Milligram pro Kilogramm Körpergewicht. Der Grund dafür? Die Landwirte werden in Europa in Zukunft mehr Glyphosat spritzen müssen, weil immer mehr Unkräuter Resistenzen gegen Glyphosat entwickeln.

Wer Glyphosat ausweichen möchte, sollte auf Vollkorn-Bioprodukte setzen und Bio-Fleisch essen, das von Tieren stammt, die sicher nicht mit Gensoja gefüttert wurden. "Ein bisschen Glyphosat kriegen wir aber alle ab. Dem Körper darf man auch trauen: Ein bisschen Gift kann der auch verkraften", sagt Britta Fecke.