Lehrerzimmer sind phantastische Orte – für Schülerinnen und Schüler. Für Michi und Maria gehören sie zum Arbeitsalltag. Hier sprechen sie darüber, was im Lehrerzimmer eigentlich passiert.

Erste Stunde Musik, eine Doppelstunde Mathe, Deutsch und dann noch Sport. Für Schülerinnen und Schüler verläuft die Schule fast immer nach Plan. Michis Schulalltag ist wegen der Unplanbarkeit spannend, sagt der Lehrer. Er unterrichtet Sport und Deutsch an einer fränkischen Realschule in der Nähe von Nürnberg.

"Oftmals funktioniert die eine Stunde in der einen Klasse super, dann macht man die gleiche Stunde in einer anderen Klasse und es funktioniert gar nicht."
Michi, unterrichtet und hostet den Podcast "Lehreranstalt"

Seine relative Jugend macht es Michi ein bisschen leichter. Er ist Anfang 30, hostet mit Dave zusammen die "Lehranstalt" und sagt: "Als junger Lehrer ist man nah am Publikum. Man versteht die teilweise noch ein bisschen."

Arbeiten unter Beobachtung

Er stehe allerdings unter genauer Beobachtung der Schüler und habe keine Chance sich zu verstellen: "Die Schüler beobachten einen den ganzen Tag. Sobald man denen was vorspielt. Ich habe keine Chance. Man muss sein, wie man wirklich ist."

Michi, unterrichtet und hostet den Podcast "Lehreranstalt"
© privat
Michi, unterrichtet und hostet den Podcast "Lehreranstalt"
"Die Schüler sind da auch teilweise grauenvoll, gerade wenn sie einen nicht mögen. Die suchen die Schwächen."
Michi, unterrichtet und hostet den Podcast "Lehreranstalt"

Im Lehrerzimmer gelten eigene Regeln. Eigentlich passieren jeden Tag lustige Dinge dort, findet Michi. Unangenehme Aufgaben bekomme stets, wer nicht beschäftigt genug wirkt. Beamten-Mikado nennt Michi das. Außerdem sitzen Nachwuchskräfte immer recht nah an der Tür, damit sie bei diesem Spiel möglichst häufig verlieren - und öffnen müssen:

Worst-case seien spontane Elterngespräche, kurzfristige Vertretungsstunden und Schülerinnen und Schüler mit komplexeren Notenproblemen. Dabei sei eigentlich das oberste Gebot: "Die Pause ist den Lehrkräften heilig."

So wirklich heilig ist Maria ihre Zeit im Lehrerzimmer nicht. Sie unterrichtet an einem Gymnasium in München und ist im Netz als schulranzenfrau unterwegs. Das Lehrerzimmer ist für sie vor allem ein Ort, indem sie nicht mehr unterrichtet. Für den Unterricht knipst sie den Lehrer in sich an, sagt sie.

Maria, Lehrerin, postet als @Schulranzenfrau
© privat
Maria, Lehrerin, postet als Schulranzenfrau
"Es ist immer eine Gradwanderung zwischen dem Versuch professionell zu sein und diesem Verzweifelten."
Maria, Lehrerin, postet als Schulranzenfrau

Bevor sie anfing als Lehrerin zu arbeiten, fühlte sie sich durch ihre eigene Schulzeit gut auf den Beruf vorbereitet. Maria sagt: "Man kennt ja Schule. Ich bin 13 Jahre an eine Schule gegangen und dachte mir, ich kenne ja schon alles." Das Ergebnis: "Wenn man auf der anderen Seite steht ist es sehr anders."

Sie versucht es mit Humor

Heute sieht sie sich als eine Mischung aus Entertainerin und Stoffvermittlerin. Sie ist sich sicher, dass Lernen auch mit Humor funktioniert. Eine Überzeugung, die nicht alle ihrer rund 80 Kolleginnen und Kollegen teilen, die mit im Lehrerzimmer sitzen. Ein Raum mit einer ziemlich großen Funktionsvielfalt findet die Lehrerin und sagt: "Das, was man da individuell macht, ist wichtig."

Typischerweise bildeten sich dort Gruppen nach Typen und Fächern: Sportlehrer und Deutschlehrer sortiert sie eher in getrennte Fächer. Was im Lehrerzimmer dann passiert sei ebenfalls eine Typfrage: Für manche sei es ein Arbeitsbereich, für Maria eher nicht. Sie fragt sich: "Wie soll man denn da arbeiten? Da hat jeder so einen halben Quadratmeter Platz."

Außerdem sei es immer irgendwie laut und – Stichwort Beamten-Mikado: "Es kommen immer Leute, die einen Anschlaaag auf einen vorhaben." Man kommt eigentlich zu nichts, findet Maria, bei ihr bleibe noch eine Restprofessionalität. Diejenigen, die im Lehrerzimmer Ruhe suchen, könnten sich allerdings gestört fühlen – denn manchmal wird dort auch über problematische Schülerinnen und Schüler gesprochen.

"Es ist kein böses Lästern. Es ist eher für die psychische Hygiene der Lehrer wichtig."
Maria, Lehrerin, postet als Schulranzenfrau

Auch interessant:

Meldet euch!

Ihr könnt das Team von Ab 21 über WhatsApp erreichen.

Uns interessiert: Was beschäftigt euch? Habt ihr ein Thema, über das wir unbedingt in der Sendung und im Podcast sprechen sollen?

Schickt uns eine Sprachnachricht oder schreibt uns per 0160-91360852.

Wichtig:
Wenn ihr diese Nummer speichert und uns eine Nachricht schickt, akzeptiert ihr unsere Regeln zum Datenschutz und bei WhatsApp die Datenschutzrichtlinien von WhatsApp.