Zu wenig Personal, schlechte technische Ausstattung und mehr Verwaltungsarbeit: Die Lehrerin und Gewerkschaftlerin Franziska Hense ärgert sich über die Situation an vielen Schulen.

Präsenz- und Distanzunterricht, mit Maske, ohne Maske, viele verschiedene Testregeln, Lüften, Quarantäne und Abstand: Eigentlich alle Menschen, die mit Schule zu tun haben, sind nach fast zwei Jahren Pandemie am Limit. Die Schülervertreter und Schülervertreterinnen haben sich mit einer Petition zur Corona-Politik an den Schulen auf change.org an die Öffentlichkeit gewandt. Sie nennen ihre Aktion #wirwerdenlaut.

"Die Schüler*innen sagen: Wir brauchen einfach mehr Pädagogen und Schulpsychologen."
Franziska Hense, Sonderpädagogin, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Franziska arbeitet als Lehrerin an zwei Schulen unter anderem auch integrativ an einer Gesamtschule im Süden von Schleswig-Holstein. Sie ist Sonderschullehrerin und Sprecherin der Gruppe Junge Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

In der Unterversorgung mit Personal sieht sie das gravierendste gegenwärtige Problem der Schulen. Zusätzlich sei noch immer die Netzinfrastruktur nicht zufriedenstellend und die Ausstattung mit Dienstgeräten laufe schleppend.

Personelle und technische Probleme


Franziska Hense sagt zur Entwicklung an den Schulen und insbesondere zur technischen Ausstattung: "Wir sind fast am Jubiläum der Pandemie an deutschen Schulen. Am 13.03.2020 wurden sie geschlossen. Jetzt haben wir Februar 2022. Da fällt mir nicht so viel ein."

"An meiner Stammschule haben wir jetzt seit zwei oder drei Monaten flächendeckend Wlan. Das kommt viel zu spät"
Franziska Hense, Sonderpädagogin, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Sie selbst hat vor Weihnachten 2021 ihr Diensthandy erhalten und kann auch langsam damit anfangen, es zu benutzen. Der Hauptgrund: Es habe lange Unklarheit geherrscht, welche Apps denn nun eigentlich installiert werden dürfen.

Von Luftfiltern keine Spur

Was den technischen Infektionsschutz angeht, kennt sie aus ihrem Schulalltag nur CO2-Messgeräte, die mit optischen Signalen empfohlene Lüftungszeiten ankündigen. Über den Einsatz von Luftfiltern an Schulen ist viel diskutiert worden. Erste Studien zur Wirksamkeit der Geräte in Klassenzimmern sind bereits 2020 vorgelegt worden. Franziska Hense sagt: "Luftfilter habe ich an Schulen nicht gesehen. In zwei Jahren nicht."

Zu diesen technischen Problemen komme ein erhöhter bürokratische Aufwand für die Lehrkräfte. Das gelte insbesondere für Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer. "Das ist so viel Verwaltungsaufwand, dass selbst die Dienstälteren sich überlastet fühlen", sagt Franziska Hense. Der grundsätzlich herrschende Mangel an Personal verschärfe das Überlastungsproblem im Kollegium zusätzlich.

"Es wird nicht genug dafür getan, dass wir genügend ausgebildetes, gutes Personal an die Schulen bekommen."
Franziska Hense, Sonderpädagogin, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft