Mehr als 180 Menschen sind in Deutschland 2021 im Hochwasser gestorben, davon allein 134 Menschen im Landkreis Ahrweiler, Mitte Juli. Die Bilder der Flutkatastrophe waren und sind erschütternd. Und für viele ungewohnt. Was Hochwasser eigentlich ist und wie wir uns davor schützen können, erklärt der Bauingenieur und Hydromechaniker Daniel Bachmann.

Die Nähe von Flüssen und Meeren bedeutet für Menschen nicht zuallererst Gefahr, sondern Anschluss an begehrte Ressourcen, Energie und Verkehrswege. Zum Problem wird das bei Hochwasser, wenn in der Nähe von Ufern viele Menschen leben und große Vermögenswerte angelegt worden sind.

"Hochwasser ist grundsätzlich erst mal ein natürliches Phänomen."
Daniel Bachmann, Hochschule Magdeburg-Stendal

Daniel Bachmann umreißt in seinem Vortrag, weshalb Menschen an Flussläufen siedeln und welche Phasen des Umgangs mit Überschwemmungen es im Laufe der Jahrhunderte gab. Seit der Zeit der Industrialisierung sei das Thema mithilfe von Technik angegangen worden - "die Zeit der Ingenieure" nennt Bachmann das. Bauwerke sollten das natürliche Phänomen regeln, sagt Bachmann, mithilfe von Deichen, Talsperren und Flussbau.

"In der Wettervorhersage vom Montag, 12. Juli, wurde schon ganz klar vorhergesagt, dass das Tiefdruckgebiet 'Bernd' intensive Regenfälle bringt, für die ganze Woche, also schon für eine längere Zeit. Und zwar regional, nicht lokal."
Daniel Bachmann, Hochschule Magdeburg-Stendal

Deichbau begünstige aber das sogenannte Deich-Paradoxon. Das bedeutet: Weil ein Deich Sicherheit verspricht, werden hinter dem Deich noch mehr Werte akkumuliert, wird noch intensiver gesiedelt als zuvor. Das kann gut gehen. Muss es aber nicht.

Daniel Bachmann erklärt auch, welche Arten von Hochwasser es gibt und welche Faktoren mitbestimmen, welche Auswirkungen es hat. So war im Sommer 2021 zum Beispiel die Topografie des Ahrtals - steile Hänge und sehr enge Täler - entscheidend für die Höhe und die Kraft der Wassermengen.

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind."

Laut Daniel Bachmann kann Hochwasser-Prävention heute nicht mehr nur baulich gedacht werden. Er unterscheidet vier Säulen der Vorsorge:

  • Flächenvorsorge
  • Bauvorsorge
  • Informationsvorsorge (langfristig und kurzfristig)
  • Verhaltensvorsorge

Nach den Hochwassern in West- und Mitteleuropa im Juli 2021 war uns klar: Wir brauchen im Hörsaal dringend einen Vortrag, der das Phänomen grundsätzlich erklärt. Daniel Bachmann hat ihn freundlicherweise für uns konzipiert und gehalten. Er ist Professor für Hydromechanik an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Am 02.12.2021 hat er ihn für uns eingesprochen, unter dem Titel "Hochwasser und Hochwasserschutz".

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