Oprah Winfrey wurde bei den Golden Globes für ihr Lebenswerk geehrt. In ihrer Rede hat sie über Ungleichheit, sexuelle Belästigung und Pressefreiheit gesprochen - und hat dafür viel Beifall bekommen. Schon werden Stimmen laut, sie solle Präsidentin der USA werden. Wir haben mit der Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Heike Paul über die Chancen der Talkmasterin aufs höchste politische Amt in den USA gesprochen.

Oprah Winfrey, US-amerikanische Talkshowmoderatorin, Schauspielerin und Unternehmerin hat bei ihrer Rede bei den Golden Globes nicht nur Danke gesagt, sondern sie hat eine Rede gehalten, mit der sie ein Statement gesetzt hat, und für die sie Standing Ovations geerntet hat. Nach der Rede forderten viele Fans, dass sie bei den nächsten Präsidentschaftswahlen kandidieren sollte: "Oprah for President!"

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Heike Paul ist Professorin für Kultur und Literatur am Lehrstuhl für American Studies der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sie sieht Winfreys Rede etwas nüchterner. Gestern Abend habe sie sich in eine sehr alte Debatte eingemischt - die Gleichberechtigung der Frau, die durch den Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein viel Aufmerksamkeit bekommen habe. Gewagt sei das nicht, so Paul.

"Hier könnte man sagen, einerseits ist es ein klares Statement, andererseits ist es kein sehr gewagter Beitrag in einer Diskussion, die ja breiten gesellschaftlichen Konsens herstellt."
Heike Paul, Professorin für Kultur und Literatur am Lehrstuhl für American Studies der Uni Erlangen-Nürnberg

Heike Paul sagt, dass Oprah Winfrey einen bestimmten Stil verkörpert. Typisch für Oprah Winfrey sei nicht unbedingt eine dezidierte politische Haltung, die sie in kulturelle Debatten einbringt. Aber natürlich wissen wir, dass sie den Demokraten angehört, dass sie Barack Obama unterstützt hat.

"Wenn man Oprah Winfrey neben Donald Trump stellt, kann man sehen, dass Trump ein Totalausfall ist."
Heike Paul, Professorin für Kultur und Literatur am Lehrstuhl für American Studies der Uni Erlangen-Nürnberg

Bei der Frage, ob Oprah Winfrey tatsächlich als Präsidentschaftskandidatin tauge, sagt die Professorin Heike Paul, gehe es wohl mehr um eine aktuelle Stimmung - vor allem derjenigen, die mit dem Amerika unter Donald Trump nicht zufrieden sind: "Wenn wir heute die Debatten hören 'Oprah for President', dann sehen wir hier den Ausdruck einer großen Sehnsucht, jemanden in diesem Amt zu haben, der diese Funktion besser bedienen kann."

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Paul gibt jedoch auch zu bedenken, dass Symbolik nicht alles ist, was ein Präsidentenamt ausmache. Was die Arbeit in politischen Ämtern angehe, da habe Winfrey wenig Erfahrung.

Oprah Winfrey hat ein großes Medienunternehmen, sie hat sehr viel Geld – eigentlich gute Voraussetzungen, um in den USA das Präsidentenamt zu bekleiden. Dem stimmt Heike Paul zu: "Und wir haben ja in den vergangenen Wahlkämpfen gesehen, dass die sozialen Medien zunehmend an Bedeutung gewinnen, vielleicht auch wahlentscheidend sein können. Und hier wäre eine Kandidatin wie Oprah Winfrey sehr gut aufgestellt."

"Sie präsentiert die andere Seite in diesem polarisierten Amerika, das wir ja schon so lange beobachten."
Heike Paul, Professorin für Kultur und Literatur am Lehrstuhl für American Studies der Uni Erlangen-Nürnberg

Oprah Winfrey spricht als schwarze Frau und ist natürlich eine Integrationsfigur für alle, die sich von Trumps Amerika gerade nicht vertreten fühlen. Heike Paul sagt, dass Winfrey für die andere Seite des seit Längerem sehr polarisierten Amerikas stehe. Bei der Frage, ob sie als Präsidentin tauge, schließt sich aber noch weitere Frage an: Wäre sie in der Lage, diese Polarisation zu überwinden? In ihrer Show als Moderatorin schafft sie das durchaus. Dort wirke sie sehr einfühlsam und versöhnend. Aber würde ihr das auch gelingen in Bezug auf das politische System?