Die schlechte Nachricht vorneweg: Im Goldzug von Walbrzych ist wahrscheinlich gar kein Gold. Das zumindest sagt Freizeithistorikerin Christel Focken. Trotzdem könnte sich die Grabung als Goldgrube für das kleine Örtchen in Polen erweisen.

15 Jahre lang hat Freizeithistorikerin Christel Focken nach Beweisen gesucht, jetzt hat ihre Suche endlich ein Ende. Denn seit 6:30 Uhr rücken die Bagger an, um am 16. August 2016 endlich mit den Grabungen zu beginnen. Zusammen mit Piotr Koper und Andreas Richter hat sie das Projekt über die letzten Jahre vorangetrieben. Jetzt ist sie ein bisschen aufgeregt.

"Hier geht eine 15 Jahre lange Suche hoffentlich zu Ende. Das ist schon eine schöne Sache, draufzustehen, im Team zu sein und live dabei zu sein und die erste Chance zu haben reinzuschauen!"
Christel Focken, Freizeit-Historikerin

So früh am Morgen zeichnet sich an der Grabungsstelle in Walbrzych ein kurioses Bild, denn noch sind mehr Medienvertreter vor Ort als Baggerpersonal. Und während Christel Focken mit DRadio-Wissen-Moderator Thilo Jahn spricht, wird am anderen Ende des Geländes Tadeusz Slowikowski von Journalisten belagert. Er sucht bereits seit über 40 Jahren nach dem verschollenen Nazizug.

"Wir haben nie von Gold gesprochen"

Angeblich sollen die Nazis die Goldreserven der Breslauer Bank in diesem Zug geladen haben, um sie vor der anrückenden Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Davon will Christel Focken aber nichts wissen. Das sei eher eine Mediengeschichte, weil sich Goldzug natürlich besser verkaufe als Panzerzug.

"Das ist von Anfang an niemals unsere Mitteilung gewesen. Die Georadarbilder zeigen einen Transportzug auf dem Panzer geladen sind."
Christel Focken über den Inhalt des "Goldzugs"

Aber auch ein Panzerzug wäre für die Freizeithistorikerin ein Sensationsfund. Insgesamt 16 dieser Panzerzüge haben die Nazis produziert - 14 davon wurden bislang gefunden. Es fehlen also noch zwei. Bis aber überhaupt klar ist, was und ob es jetzt letztendlich zu entdecken gibt, muss erst mal gegraben werden.

Laut Messungen ist die Überdeckung über dem Tunnel neun Meter dick. Um den Tunnel gefahrlos betreten zu können, muss außerdem die Grube immer wieder gesichert werden. Wenn wirklich etwas gefunden wird, muss das allerdings im Tunnel bleiben. Das ist die Bedingung der Stadt.

"Ich hoffe, dass die Polen da ein Museum draus machen, eine Kasse draußen anstellen, dann kommt die ganze Geschichte noch zu einem positiven Ende. Ich glaube, das ist die Sensation für Waldenburg hier für die nächsten 100 Jahre."
Christel Focken hat Tipps für die Nutzung der Grabungsstelle

Auch nach der Grabung ist die Geschichte für Christel Focken lange nicht zu Ende. Denn im Bundesarchiv gibt es Unterlagen, die auf 165.000 Kubikmeter umbauten Raum hindeuten. Das heißt, in der Umgebung wurden 165.000 Kubikmeter Baumaterial abgetragen, mit dem irgendetwas gebaut wurde. Nur was und wo, das ist bislang unklar - und interessiert Christel Focken brennend.

Mehr Infos zum Goldzug von Walbzrych: