Wann, wenn nicht zu Weihnachten, beschweren wir uns eher über zu viel als zu wenig Essen. Könnten die Millionen hungernden Menschen in Zeiten des Zweiten Weltkrieges es hören - es müsste wie Hohn für sie klingen. Tatjana Tönsmeyer darüber, was extremer Hunger mit Menschen machen kann.

Rollbraten, Fleischfondue oder Weihnachtsgans: "Bringt ordentlich Hunger mit!" Mit diesen Worten haben uns die Eltern oder Großeltern an den Festtagen vielleicht eingeladen.

Wir mögen nach unserem Verständnis Hunger haben. Was aber Hunger wirklich bedeutet - diese Erfahrung musste wohl (hoffentlich) noch niemand von uns machen. Ganz im Gegensatz zu Millionen Menschen in Europa in den Jahren 1939 und 1945.

Hunger ist, wenn man im Leben an nichts anderes mehr denken kann, wenn dieser den kompletten Alltag beherrscht. Hunger ist, wenn Kinder ihre geliebten Hunde töten lassen wie im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkrieges, um überhaupt etwas Essbares zu bekommen. Und Hunger ist, wenn sogar vor Kannibalismus nicht mehr haltgemacht wird.

"Die Kinder haben Igel, Schlange, Fuchs, Frösche, Eichhörnchen, Katze, Falke und Dachs gegessen."
Tatjana Tönsmeyer, Historikerin

Zu Weihnachten 1944 konnte froh sein, wer wenigstens eine kalte Mehlsuppe statt wie heute eine saftige Hirschkeule auf den Teller bekam. Im Hungerwinter 1944/45 hatten die Familien mit allen möglichen Widrigkeiten zu kämpfen. Für die Einwohner von Leningrad war da das Schlimmste vorbei - Hunderttausende waren aber schon gestorben. Während der Blockade durch die Deutsche Wehrmacht hatten Menschen in ihrer Verzweiflung gar Kannibalismus betrieben.

Davon, was Hunger aus Menschen macht, wenn man diesen hat, aber nichts da ist, um ihn zu stillen, erzählt unser Weihnachts-Hörsaal.

Die Historikerin Tatjana Tönsmeyer von der Bergischen Universität Wuppertal klärt auf, was Hunger im extremen Fall bedeuten kann - in ihrem Vortrag "Vor dem Verzehr von Katzenfleisch wird gewarnt - Mangelversorgung und Hungererfahrungen im besetzten Europa zwischen 1939 und 1945".