Athletik und Kraft spielen inzwischen eine größere Rolle beim Golfsport. In den USA haben die Verbände deshalb jetzt reagiert und eine Regeländerung eingeführt: Die Schläger dürfen nicht mehr so lang sein.

Die Golfspielerinnen und -spieler werden immer kräftiger und schlagen immer fester. Dadurch werden die Plätze quasi zu klein beziehungsweise sind gar nicht mehr so schwer bespielbar wie das früher mal war.

Der US-Amerikaner Bryson de Chambeau zum Beispiel (im Bild oben beim Abschlag), aktuell Sechster der Golf-Weltrangliste, schafft es locker auf 350 Meter. Lange Zeit habe man nicht geglaubt, dass so etwas überhaupt möglich ist, sagt Matthias Friebe aus der Deutschlandradio-Sportredaktion. Vielleicht habe de Chambeau, der den Spitznamen "Bulk" ("Masse") trägt, auch die Corona-Pause dazu genutzt, um derart viel Muskelmasse aufzubauen.

"Bryson de Chambeau schlägt den Golfball einfach über die Hindernisse hinweg. Das verändert den Sport."
Matthias Friebe, Deutschlandradio-Sportredaktion

Hindernisse wie Bunker oder Seen, die die Architekten der Golfplätze eingebaut haben, sind für de Chambeau einfach keine Hindernisse mehr – er ballert die kleine weiße Kugel darüber hinweg. Bei den meisten Bahnen schafft er es mit einem einzigen Schlag fast bis zur Fahne, die das Loch markiert. Das verändert die Art und Weise, wie Golfplätze bespielt werden.

De Chambeaus Golf-Katapult

Doch nicht nur die Kraft allein ist das Geheimnis des Erfolgs von Bryson de Chambeau, sondern auch die Tatsache, dass er einen langen Schläger genauso schnell schwingen und gleichzeitig kontrollieren kann wie einen kürzeren. Durch das Hebelprinzip entstehen auf diese Weise die enormen Weiten. Seine Schläge haben eine Art Katapultwirkung, erklärt Matthias Friebe.

Deshalb ändern die Golforganisationen Royal and Ancient (R&A) und United States Golf Association (USGA) zum Jahreswechsel ihre Regeln: Mit Ausnahme des Putters dürfen die Schläger dann eine Länge von 46 Zoll (1,17 Meter) nicht mehr überschreiten. Diese Grenze liegt momentan noch bei 48 Zoll (1,22 Meter).

Auslöser für Regeländerungen

Stattdessen neue Golfplätze zu bauen oder die alten, die ohnehin schon viel Platz beanspruchen, zu vergrößern, um sich dem neuen Trend anzupassen, kommt scheinbar nicht infrage.

Bryson De Chambeau sagt, er fühle sich "geschmeichelt", dass er den Golfsport an seine Grenzen gebracht hat und sozusagen der Auslöser dafür ist, jetzt die Regeln zu ändern. Er wolle sich den neuen Regeln anpassen und das Beste daraus machen.

Die meisten Spieler benutzen solch lange Schläger ohnehin nicht, für diese Spieler ändert sich also nichts, erklärt Matthias Friebe.

Kritik an der Änderung

Es gibt aber auch ein paar prominente Kritiker, darunter Superstar Phil Mickelson, der gerade ein Turnier mit seinem langen Schläger gewonnen hat. Die Regeländerung sei "erbärmlich", dadurch würden die Golfverbände "den ersten großen Boom des Golfsports seit 40 Jahren" kaputt machen. Viele Menschen seien von den wahnsinnig weiten Schlägen nämlich fasziniert.