Wissenschaftler haben Googles Grippe-Vorhersage "FluTrends" verbessert - durch zusätzliche statistische Verfahren.

Auch wenn der November bisher erstaunlich mild ist - so allmählich sind wir in der Saison der triefenden Nasen und pochenden Schädel angekommen. Mit einer Grippe ist nicht zu spaßen. Manchmal weitet sich das Ganze zu einer richtigen Epidemie aus, womöglich mit einem richtig gefährlichen Virustyp.

Echtzeit-Prognose mit Suchmaschinen-Daten

Hilfe verspricht Google "FluTrends" - die Idee dahinter: Wenn viele Leute im Netz nach "Schnupfen", "Grippe" oder "Impfung" suchen, dann sind sie oder ihre Angehörigen wahrscheinlich auch betroffen. Das einzige Problem dabei: "Flu Trends" lag zuletzt ziemlich arg daneben mit den Vorhersagen. US-Forscher der Harvard Universität haben jetzt ein verbessertes Modell vorgestellt.

"Die Trefferquote ist doppelt so gut wie bei allen anderen bisher vorgestellten Modellen, versprechen die Wissenschaftler."
Michael Gessat, DRadio-Wissen-Netzreporter

Argo - das steht für "AutoRegression with Google search data" - setzt nach wie vor auf die ursprüngliche Google-Idee, bringt aber zusätzlich verbesserte statistische Verfahren in das Modell hinein. Als Google Flu Trend 2009 vorgestellt wurde, waren die Vorhersagen noch ganz gut. Bei anderen Epidemien lag das System dann aber total daneben.

"2009 hat das Modell das Ausmaß der Schweinegrippe-Epidemie mit dem Virustyp H1N1 völlig unterschätzt. Und 2012/13 hat sich der ausgelöste Riesenalarm als Fehlalarm erwiesen."
Michael Gessat

Daher hat Google die FluTrends im Sommer sozusagen begraben. Man kann die Quasi-Echtzeit-Prognosen nachträglich überprüfen, indem man sich die Daten anschaut, die Ärzte über behandelte Grippefälle an die Gesundheitsbehörden melden - in den USA sind das die Centers for Disease Control (CDC). Die CDC-Daten sind quasi die Benchmark für die Vorhersagemodelle.

Näher an der Wirklichkeit

Laut den Wissenschaftlern hat das ursprüngliche Modell offenbar nicht ausreichend berücksichtigt, dass es auch Suchtrends gibt, die eben nicht die eigene Betroffenheit, sondern lediglich das Interesse am Thema signalisieren. Und wenn eine Grippewelle erst einmal irgendwo läuft, dann verstärkt sich dieser Effekt. Anscheinend suchen die Leute heutzutage auch viel differenzierter, mit mehr Begriffen als ursprünglich angenommen. Das neue Argo-Modell versucht, das zu berücksichtigen.

"Argo kalibriert sich mit den realen CDC-Daten ständig neu. Und es baut die aktuellen Suchbegriffe fortwährend ins Rechenmodell ein. "
Michael Gessat

Das Fazit der Forscher: Die Methode - in der jetzt verbesserten Version - ist nützlich. Aber auch Argo ist nicht unfehlbar, auch hier kann es Vorhersagepannen geben.