Google Maps zeigt uns nicht nur den Weg, sondern lenkt in gewisser Weise auch unser Leben. In Zukunft könnten die Karten personalisierter und individuell auf uns zugeschnitten werden. Der Stadtforscher Moritz Ahlert sieht das kritisch.

Google Maps habe das ausgefeilteste System, wenn es darum gehe, unsere Standortdaten zu verarbeiten, so der Stadtforscher Moritz Ahlert, der seine Doktorarbeit über digitale Kartendienste geschrieben hat. Google habe sich damit quasi ein Monopol geschaffen. Gleichzeitig sei Google mit das größte Werbeunternehmen der Welt und wisse, unsere persönlichen Daten, die wir hinterlassen, geschickt zu nutzen.

"Google ist mit das größte Werbeunternehmen der Welt und weiß ganz geschickt, die persönlichen Daten, die wir jeden Tag hinterlassen und einspeisen, auch zu nutzen."
Moritz Ahlert, Stadtforscher

Im Gegensatz zu analogen Karten würden digitale Karten ganz anders funktionieren. Heute würden wir nicht mehr auf die Karte schauen, sondern die Karte sei um uns herum und führe uns quasi durch eine virtuelle Welt.

Es geht auch um Konsum

Der große Unterschied sei, dass es nicht nur um die Orientierung und die Navigation von A nach B gehe, sondern die Programme das Potenzial hätten, uns selbst zu lenken und zu führen. Ein Beispiel sei das Spiel Pokémon Go. Google habe für diese und andere Anwendungen mit seinem Kartendienst ein eigenes System geschaffen.

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Die Karte werde als Plattform genutzt, wodurch unser Blick auf die Welt durch Google gefiltert werde. Und das sei ein sehr konsumorientierter Blick, bei der manche Sachen gezeigt, andere weggelassen werden, so der Stadtforscher.

"Der Blick auf die Welt wird quasi durch Google gefiltert. Und das ist ein sehr konsumorientierter Blick. Da werden manche Sachen gezeigt, andere Sachen weggelassen."
Moritz Ahlert, Stadtforscher

Die Kartendienste würden zur Effizienz beitragen und uns zielgerichtet den Weg zeigen. Auf der anderen Seite würden aber auch viele Zufälligkeiten und Geheimnisse verloren gehen, die unsere Städte ausmachen.

Personalisierte Karten nach Interessen oder Einkommen

Moritz Ahlert geht davon aus, dass Google an personalisierten Karten arbeite, die je nach Interesse, Sucheinträgen und Einkommen der Nutzerinnen und Nutzer variieren könnten. Das könnte zu einer Art Filter-Bubble führen, in der fragmentierte Räume entstehen – mit der Gefahr, dass sich die Gesellschaft weiter aufspalte.

"Personalisierte Karten sind vielleicht vergleichbar mit der Facebook-Bubble, die fragmentierte Räume entstehen lassen und die Gesellschaft noch weiter segregieren. Darin sehe ich eine Gefahr."
Moritz Ahlert, Stadtforscher

Schon heute bekommen wir je nach Gerät und vielleicht auch aufgrund gespeicherter Nutzerdaten unterschiedliche Routen für dasselbe Ziel angezeigt. Das sei auch eine Geschäftsmöglichkeit, so Moritz Ahlert. Wenn Google beispielsweise wisse, dass wir um eine bestimmte Uhrzeit gerne Kaffee trinken, könnte das Einfluss auf die Route nehmen und auch zu bedarfsabhängigen, dynamischen Preisen führen. Ähnlich wie heute schon bei Uber, wo eine Fahrt im Regen teurer ist als bei Sonnenschein.