Die Gorch Fock - das Ausbildungsschiff der Bundesmarine - ist in den Schlagzeilen. Die Sanierung ist wegen einer Kostenexplosion gestoppt. Ob das berühmt-berüchtigte Segelschiff je wieder in See stechen wird, ist fraglich. Der Journalist Hasnain Kazim hat auf der Gorch Fock gedient und erinnert sich gern an diese Zeit.

Hasnain Kazim war Offiziersanwärter auf dem Dreimaster der Bundesmarine, 1994 war das. Der Ton auf dem Segelschulschiff war rau - aber herzlich, sagt er.

Während seiner Ausbildungszeit hatte er nur vier Stunden Schlaf am Tag. Neben dem Unterricht in Navigation, Wetterkunde und Seerecht stand auch handfeste Arbeit auf dem Plan: die Segel setzen, ausrichten und wieder einholen. Oder schlicht das Deck schrubben - auch das war eine seiner Aufgaben.

"Ich habe das nicht verstanden: Das Schiff war blitzblank und trotzdem musste man schrubben. Dann wurde mir gesagt: 'Wenn du jetzt nicht putzt, dann gammelt dir der Kahn unter dem Arsch weg.' So redet man dort."
Hasnain Kazim, Journalist

Viele Aufgaben auf dem Schiff waren eine reine Beschäftigungsmaßnahme, sagt Hasnain Kazim. Der Journalist meint, dass die eine Hälfte der Offiziersanwärter, die ihre Ausbildung auf der Gorch Fock gemacht haben, das Schiff hasst - die andere Hälfte das Schiff liebt. Er selbst denkt mit sehr positiven Gefühlen an seine Ausbildungszeit zurück. 

Gorch Fock wichtig für die seemännische Ausbildung

Hasnain Kazim findet es wichtig, die seemännische Grundausbildung auf dem Segelschiff durchzuführen. Er sagt, dass die Zeit auf dem Schiff für viele junge Marinesoldaten ihre erste Berührung mit der Seefahrt darstellt. Dort lernen sie das seemännische Handwerk - wie man mit einem Sextanten umgeht oder mithilfe der Sterne das Schiff über das Meer navigiert. 

"Man ist permanent im Einsatz und ist wahnsinnig müde. Man lernt dann auch in jeder Position zu schlafen. Man hat dann zehn Minuten Zeit zwischen zwei Dingen, die man tut, und setzt sich auf eine Bank, legt den Kopf auf den Tisch und schläft."
Hasnain Kazim, Journalist

Selbst wenn die gesamte Technik auf einem Schiff ausfallen würde, wären Marinesoldaten nach ihrer Ausbildung auf der Gorch Fock in der Lage, ein Segelschiff sicher über das offene Meer zu steuern und wieder zum Festland zurückzukehren. Deswegen denkt er, dass es richtig ist, dass die Marine an der Gorch Fock festhält.

"Es geht relativ hart zur Sache. Der Ton ist hart. Man hatte nur vier Stunden am Stück, an denen man schlafen konnte damals."
Hasnain Kazim, Journalist

Die Gorch Fock ist seit 1958 der Stolz der deutschen Bundesmarine: der Dreimaster ist fast 90 Meter lang und wurde genutzt, um die Offiziersanwärter der Marine auszubilden. Seit drei Jahren liegt die Gorch Fock allerdings in Bremerhaven, weil sie saniert werden muss. Die Sanierung war auf 16 Wochen angelegt und sollte zehn Millionen Euro kosten. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen und die Kosten sind - laut der letzten Schätzung - auf 135 Millionen gestiegen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen Hinweisen auf mögliche Korruption. Verschiedene Politiker fordern außerdem, dass die Marine lieber ein neues Schiff bauen solle, statt das alte zu sanieren.

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