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Azim, 32, hat in Afghanistan als Graffiti-Künstler für Freiheit gekämpft. Vor sieben Jahren musste er das Land deshalb verlassen. Ein Teil seiner Familie lebt aber noch in Afghanistan. Für sie hat sich das Leben seit der Machtübernahme der Taliban komplett verändert. Die Hoffnung für sein Heimatland gibt Azim trotzdem niemals auf.

Für Azim bedeutet Graffiti Power – eine friedliche Waffe. Viele Jahre hat er in Afghanistan als Künstler gearbeitet, inspiriert von Banksy. "Als ich 'The Ballon Girl' von Banksy gesehen habe, habe ich zu mir gesagt: 'Azim, du kannst das auch'", sagt Azim. Kunst war seine Sprache, mit der er in seiner Heimat für Freiheit und Menschlichkeit gekämpft hat.

"Kunst hat keine Sprache, Kunst ist eine Sprache."
Azim

Heute lebt Azim mit seiner Familie in Deutschland, weil seine Arbeit in Afghanistan irgendwann zu gefährlich wurde. Mehr als vier Jahre musste er darauf warten, dass seine Frau und seine beiden Kinder zu ihm nach Deutschland nachkommen konnten. Azims Mutter und seine beiden Geschwister leben aber immer noch in Afghanistan – seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August 2021 hat er noch mehr Angst um sie.

Azim, Graffiti-Künstler aus Afghanistan
© privat
"Meine Mama hat Angst, raus zu gehen. Das macht alles mein kleiner Bruder, er macht die Einkäufe."
Azim

Azims Schwester darf nicht mehr zur Schule gehen. Sein Onkel wurde von den Taliban zusammengeschlagen, weil er in einem Hotel für ausländische Soldaten gearbeitet hat. "Es passieren gerade viele traurige Sachen in Afghanistan", sagt Azim. Hinzu kommt eine drohende Hungersnot im Land. Das World Food Programm warnt, in Afghanistan drohe die größte humanitäre Krise weltweit – noch schlimmer als in Syrien oder im Jemen.

"Man sieht so viele Menschen draußen, aber keine Menschlichkeit."
Azim

Azim unterstützt seine Familie in Afghanistan finanziell und versucht, sie auch nach Deutschland zu holen. Doch oft kann er nicht viel mehr tun als auf eine Antwort von den Behörden zu warten. "Ich kontrolliere mein E-Mail-Postfach bei der Arbeit fünf oder sechs Mal am Tag."

Im Deep Talk mit Rahel Klein spricht Azim darüber, wie er mit so vielen schlechten Nachrichten umgeht, warum es Quatsch ist, dass Männer nicht weinen und wieso er die Hoffnung nie aufgibt.