In Griechenland öffnen morgen die Wahllokale: in Athen, in Thessaloniki und in Polygyros, einer Kleinstadt in der Ferienregion Chalkidiki. Unser Reporter Panajotis Gavrilis ist dorthin gefahren, um seine Stimme abzugeben - und erzählt von Prognosen, Bugatsa und 22 Wahlzetteln.

In Polygyros sind die Wege nicht besonders weit - 100 Meter zum Bäcker, 100 Meter zur Bar "Tiverius". In der Kleinstadt leben rund 6000 Menschen, vor allem vom Tourismus und von der Landwirtschaft. Im Moment sind allerdings wenig Touristen zu sehen: Es ist kalt in Polygyros, und in einigen Wohnungen wird im Moment nur per Heizstrahler geheizt.

"Briefwahl ist nicht möglich. Wenn du als Grieche in den USA lebst, musst du den Flug bezahlen, um hierhin zu kommen und zu wählen."
Panajotis Gavrilis, Reporter

Panajotis Gavrilis ist aus Deutschland nach Polygyros geflogen, um hier seine Stimme bei der Parlamentswahl am Sonntag abzugeben. Briefwahl oder seine Stimme beim Konsulat in Deutschland abzugeben, ist nicht möglich. Manche Griechen vermuten, dass der Regierung das ganz gelegen kommt - sie befürchtet, dass die im Ausland lebenden Griechen die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Ungunsten verschieben könnten.

In Polygyros bemerkt man die Krise im Land eher indirekt, berichtet er - ein Rentner hat weniger Geld zum Leben, die Familien vor Ort gehen weniger auswärts essen. Trotzdem hoffen viele, dass die Wahl einen Neuanfang bringt. Nicht alle sind jetzt schon sicher, wen sie wählen wollen - in den Cafés sitzen alte Männer und diskutieren darüber, wo man sein Kreuzchen machen könnte.

"Hier wissen alle: Diese Wahl ist ganz besonders, weil ganz Europa nach Griechenland schaut."
Panajotis Gavrilis, Reporter

Seine Stimme abgeben ist gar nicht so einfach in Griechenland: Aus einem Bündel von 22 Wahlzetteln muss jeder Wähler den für sich richtigen herausfischen und in einen Umschlag stecken. Älteren Omis wird von der Familie auch schon mal vorher der richtige Wahlzettel mitgegeben, erzählt Panajotis - so lautet zumindest die Anekdote.

Fußgängerzone mit Tischen eines Lokals
© DRadio Wissen | Panajotis Gavrilis
In Polygyros leben rund 6000 Menschen.

Wer morgen die Wahl gewinnt, ist schwierig zu sagen - in einer Umfrage liegt Syriza, die sozialistische Partei, knapp vor der konservativen Neo Dimokratia. Vor allem sagen aber viele Umfragen voraus, dass die neonazistische Goldene Morgenröte drittstärkste Partei wird. Laut den Umfragen könnte sie bis zu 5 Prozent der Stimmen bekommen. In Griechenland gilt die Dreiprozenthürde.

Panajotis hat seinen Tag in Polygyros mit Mocca-Kaffee und Bugatsa vom Bäcker begonnen, ein Blätterteiggebäck gefüllt mit Grieß, und bestreut mit Zucker und Zimt. Morgen wird sein Tag in Polygyros nicht ganz so beschaulich, glaubt er - nach der Wahl werden alle mit Höchstspannung auf die Hochrechnungen warten.

Reporter Panajotis Gavrilis vor der Schule, in der morgen in Polygyros gewählt wird.
© DRadio Wissen | Panajotis Gavrilis
Reporter Panajotis Gavrilis vor der Schule, in der morgen in Polygyros gewählt wird.