In Deutschlands Großstädten gibt es immer mehr Autos. Die werden aber weniger oft bewegt. Eines bleibt allerdings gleich: Pkw werden weiterhin massiv bezuschusst.

Aktuelle Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen: Die private Autodichte in deutschen Großstädten zwischen 2017 und 2021 hat sich um knapp 3 Prozent erhöht. Dass in Deutschland sehr viele Leute ein Auto vor der Tür stehen haben, anstatt auf umweltfreundliche Alternativen zu setzen, hat laut Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin drei Gründe:

  • Jedes Jahr wird der Dieselpreis mit 8 Milliarden Euro subventioniert, es gibt demnach einen permanenten Tankrabatt.
  • Die Politik in Deutschland schafft für Autofahrer*innen viel Entlastung. Beispielsweise können Bürgerinnen und Bürger das Geld für längere Fahrten mit dem Auto über die Entfernungspauschale steuerlich geltend machen.

Um dauerhaft weniger Autos auf den Straßen zu haben, müssten die Privilegien, die es für Autofahrer*innen gibt, abgeschafft werden, so Andreas Knie. Seit etwa 50 Jahren hätten alle Verkehrsminister darauf gesetzt, dass jede*r in Deutschland ein Auto hat. Die Benziner wurden massiv von der Politik gefördert.

Fahrleistung der Autos geht zurück

Andreas Knie gibt aber auch zu bedenken: Die Zahl der Autos steige zwar, allerdings gehe die Fahrleistung zurück. "Die gefahrenen Kilometer sind entscheidend. Da werden wir seit langer Zeit mal wieder einen Rückgang erleben." Der Hintergrund: Etwa zwei Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten fahren nur noch an zwei bis drei Tagen ins Büro und arbeiten in der übrigen Zeit im Homeoffice. In Städten sei zu beobachten, dass die Verkehrspeaks nicht mehr so hoch wie vor der Pandemie sind.

"Was wir beim 9-Euro-Ticket gemerkt haben, ist, dass die Leute Alternativen nur dort genutzt haben, wo es sie tatsächlich gab."
Andreas Knie, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin

Bleibt die Frage nach der Alternative zum Auto. Dass sich der Individualverkehr in Deutschland mit der Einführung günstiger Tickets auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verlagert, hält Andreas Knie nicht für realistisch.

In großen Städten wie Berlin, Köln oder Frankfurt habe er beobachtet, dass 2 bis 3 Prozent der Menschen zur Zeit des dreimonatigen 9-Euro-Tickets auf den ÖPNV umgestiegen seien. Um dauerhaft weniger Autos in den Städten zu haben, gebe es nur eine Lösung: Die Privilegien der Autobesitzer müssten weg. Andernfalls sei es utopisch, die Klimaziele von Paris einzuhalten.

Korrektur: Im Audio dieses Beitrags konnte der Eindruck entstehen, 70 Prozent der zugelassenen Autos seien Dienstwagen. Tatsächlich erfolgen nach Zahlen des Dienstleisters Statista 61 Prozent der Erstzulassungen durch gewerbliche Halter. Der Anteil der Firmenwagen am gesamten Pkw-Bestand beträgt demnach 10,7 Prozent.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Andreas Knie, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin