Fachleute rechnen in diesem Winter mit mehr Grippefällen als in den vergangenen Jahren. Sie vermuten, weil wir in den letzten Corona-Jahren uns so gut geschützt haben, dass wir jetzt anfälliger für Grippeviren sind.

Im kommenden Winter spricht vieles dafür, dass sich die Grippe wieder verstärkt verbreiten könnte. Indizien dafür sind: Die Grippe war schon im Frühjahr und im Sommer in Deutschland im Umlauf, was eher ungewöhnlich ist. Außerdem gab es in Australien mehr Grippefälle als in den Vorjahren. Expert*innen in Europa orientieren sich häufig an dem Land, weil es wegen der anderen Jahreszeiten auf der Südhalbkugel - unser Sommer ist dort Winter - eine Jahreszeit voraus ist.

Hinzu kommt: Seit Frühling 2020, als die Coronavirus-Pandemie begann, hat es aufgrund der Maßnahmen zum Infektionsschutz insgesamt weniger Grippefälle in Deutschland gegeben. Die Bevölkerung könnte deshalb jetzt anfälliger sein für die Grippe, weil der Immunschutz insgesamt nicht mehr so hoch ist wie in den Zeiten vor Corona. Vor der Pandemie war in jedem Jahr eine gewisse Anzahl an Menschen an Grippe erkrankt, die so eine gewisse Immunität aufgebaut hatten.

Gleichzeitig sind gerade besonders viele verschiedene Subtypen von Grippeviren im Umlauf – offenbar mehr als vor Corona.

Grippe-Impfung empfohlen

Die ständige Impfkommission empfiehlt chronisch Kranken und Menschen ab 60 sowie Schwangeren eine Impfung gegen die Grippe. Ebenso empfohlen ist sie für alle, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Der Grippeimpfstoff wird jede Saison neu zusammengesetzt, je nachdem welche Grippeviren-Subtypen im letzten Jahr aktiv waren. Das heißt: Die Impfung schützt in einem Jahr mal besser, im anderen mal nicht so effektiv. Dieses Jahr deuten Studien darauf hin, dass der Impfschutz weniger gut sein könnte. Die Impfempfehlung der ständigen Impfkommission gilt trotzdem.

Schutz vor Grippeviren

Sorgfältig Händewaschen und Maske tragen verringert nicht nur das Risiko, sich mit Corona anzustecken – diese Präventionsmaßnahmen können auch eine Grippe-Infektion sowie andere Infektionskrankheiten verhindern.

"Sorgfältig Händewaschen und Maske tragen verringert nicht nur das Risiko für Covid-19, sondern auch dafür, mit einer Grippe flach zu liegen."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Grippe ist eine ernst zu nehmende Infektion, die gesunde Menschen zwar in der Regel gut überstehen. Aber sie kann das eigene Immunsystem ziemlich schwächen, sodass man dadurch auch anfälliger wird für andere Krankheitserreger wie Bakterien, die dann zum Beispiel Lungenentzündungen oder Herzmuskelentzündungen auslösen können. Allgemein wird empfohlen, bei schweren Symptomen wie Fieber, Gliederschmerzen und allgemeinem Schwächegefühlen eine Arztpraxis aufzusuchen.

Grippe oder Covid-19?

Ob die Symptome durch eine Grippe oder eine Covid-19-Infektion verursacht wurden, ist am einfachsten durch Corona-Tests herauszufinden.

Ob Covid-19 oder Grippe: Mit Fieber und anderen Symptomen bleiben Erkrankte besser zu Hause. Zum einen braucht der Körper Ruhe, um sich erholen zu können. Zum anderen besteht die Gefahr, andere Menschen anzustecken. Wer zur Ärztin, in die Apotheke oder in den Supermarkt muss: Mit Maske ist das Risiko, andere anzustecken, deutlich geringer.

Shownotes
Infektionsschutz
Besonders viele Grippefälle in diesem Winter erwartet
vom 17. Oktober 2022
Moderator: 
Paulus Müller
Gesprächspartnerin: 
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin