Die britische Kolonialmacht betreibt eine aggressive Außenhandelspolitik und scheut nicht davor zurück, Drogen einzusetzen, um das chinesische Kaiserreich in die Knie zu zwingen. Nach zwei Opiumkriegen muss sich China geschlagen geben und 1860 wird Hongkong britische Kronkolonie.

Am chinesischen Kaiserhof wird Mitte des 19. Jahrhunderts das Treiben der Kaufleute der britischen Ostindien-Kompanie mit Argwohn beobachtet: Um die negative Handelsbilanz mit China auszugleichen, bringen sie große Mengen Opium aus dem benachbarten Bengalen – später Teil der britischen Kronkolonie Indien – ins Land.

Immer mehr Chinesen werden abhängig von der Droge. Die sozialen Probleme nehmen derart drastische Formen an, dass es zu zwei Opiumkriegen kommt. Doch die chinesischen Truppen haben gegen die britische Übermacht keine Chance; sie sind ihren Gegnern hoffnungslos unterlegen. Die Regierung muss Friedensverträge unterschreiben, die weniger dem Frieden als der Ausdehnung der britischen Kolonialherrschaft in Asien dienen.

Hongkong fällt "auf ewig" an die Briten

Am 18. Oktober 1860 wird die Konvention von Peking unterzeichnet, durch die vorherige Verträge bestätigt und noch einmal auf Kosten der Chinesen erweitert werden. Hongkong war schon zwei Jahre zuvor "auf ewig" an die Briten übergegangen. Nun kommt noch die Provinz Kowloon hinzu, eine Halbinsel nördlich von Hongkong. Beide werden zur Kronkolonie Hongkong, die bis 1997 in britischem Besitz bleibt.

Für China beginnt 1860 eine Phase kolonialer Unterdrückung, die erst mit der Ausrufung der Volksrepublik China 1949 endet. Seitdem fordert die chinesische Regierung die Rückgabe der Provinz Kowloon und der inzwischen zur Millionenmetropole gewachsenen Stadt Hongkong. Der ehemalige Regierungschef Deng Xiaoping formulierte die Losung "Ein Land – zwei Systeme".

China will Hongkong integrieren

Aber seit einigen Jahren ist davon keine Rede mehr. China will Hongkong in das politische und gesellschaftliche System des Festlands integrieren und hat deshalb damit begonnen, die im Vertrag mit Großbritannien geschlossenen "auf 50 Jahre garantierten Rechte" Hongkongs zu beschneiden.

Protestierende in Hongkong
© dpa
Im Sommer 2019 kam es immer wieder zu Massenprotesten in Hongkong. Die Demonstrierenden wehren sich gegen den wachsenden Einfluss Pekings.

Die britische Regierung fühlt sich verantwortlich für die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen Kronkolonie. Sie stellt für knapp eine halbe Million von ihnen eine erleichterte Einreise ins Vereinigte Königreich in Aussicht.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Kai Strittmatter, ehemaliger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, erinnert an das angespannte Verhältnis zwischen den Briten, Hongkong und China nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Kurz nachdem Großbritannien 1997 seine Kolonie Hongkong aufgegeben hat, kam Lu Yen Roloff als Sinologiestudentin in die Stadt und erzählt wie viel Festlandchina in Hongkong zu spüren war.
  • Steffen Wurzel ist ARD-Korrespondent in Schanghai und berichtet über die aktuelle Situation in Hongkong nach dem sogenannten Sicherheitsgesetz, mit dem die Regierung in Peking die Opposition in Hongkong mundtot machen möchte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die Ursachen der Abtrennung Hongkongs und Kowloons von China nach zwei Opiumkriegen, die 1860 mit der Konvention von Peking beendet werden.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt beschreibt den Kampf der Chinesen gegen die militärische Übermacht der britischen Kolonialherren, die Teile Chinas aus wirtschaftlichen Gründen besetzt hielten.