Vor 25 Jahren wurde aus zwei bis dahin völlig getrennten Wissenschaftslandschaften, eine einzige. Plötzlich gehörten die Universitäten im Osten und Westen irgendwie zueinander, mit teils dramatischen Folgen.

Die Unis im Osten veränderten sich enorm. Erst kamen Professoren aus dem Westen, dann, nach und nach, auch Studierende. Alle Mitarbeiter wurden überprüft. Dabei ging es nicht allein um die Frage, wer für die Stasi gearbeitet haben könnte, sondern auch um die fachliche Qualifikation der Lehrenden.

"Kommt ein Kollege auf mich zu und sagt: 'Ach Sie sind der Kollege, der mir meine Stelle wegnimmt!'"
Pirmin Stekeler-Weithofer, Philosoph

Alle Professoren, egal wie erfahren sie waren, mussten vor Fachkommissionen noch einmal unter Beweis stellen, dass sie tatsächlich etwas von ihrem Fach verstanden. Das war entwürdigend, fanden viele. Manche weigerten sich - und verloren prompt ihren Job.

"Das waren Menschen, die möglicherweise ihr gesamtes Arbeitsleben lang treu ihrer jeweiligen Hochschule gedient hatten, hoffnungsfroh skandiert haben 'Wir sind das Volk!' und die sich plötzlich als überflüssig erwiesen."
Cornelius Weiss, ehemaliger Rektor der Universität Leipzig

Was geschah vor 25 Jahren an den Unis im Osten? Darüber diskutieren vier Akteure von damals. Sie alle waren mit der Universität Leipzig verbunden und haben deren Entwicklung entscheidend geprägt.

"Vom geteilten zum vereinten Deutschland - Wissenschaftspolitik und ihre Folgen“ - so lautet der Titel der Podiumsdiskussion. Stattgefunden hat sie am 23. September 2015 an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig.

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderatorin: Sibylle Salewski
  • Diskussionsteilnehmer: Hans-Joachim Meyer, ehemaliger Wissenschaftsminister von Sachsen, CDU
  • Diskussionsteilnehmer: Cornelius Weiss, ehemaliger Rektor der Universität Leipzig, SPD
  • Diskussionsteilnehmer: Pirmin Stekeler-Weithofer, Philosoph an der Universität Leipzig
  • Diskussionsteilnehmer: Peer Pasternack, Soziologe, ehemaliger Studentenvertreter an der Uni Leipzig
  • Diskussionsleitung: Heike Schmoll, Redakteurin FAZ