Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU steht, dass die Parteien bis 2021 rund eine Milliarde Euro zusätzlich fürs Bafög ausgeben wollen. Das sind gute Nachrichten, denn so könnten in Zukunft viel mehr Studierende Bafög bekommen, wenn sie denn tatsächlich einen Antrag stellen. 

Zurzeit bekommen nur 18 Prozent aller Studierenden Bafög. Zum Vergleich: Als das Bafög 1972 eingeführt wurde, hat fast die Hälfte aller Studenten diese staatliche Unterstützung bekommen. In den nächsten Jahren sollen die Zahlen wieder steigen. Im von SPD und CDU verfassten Koalitionsvertrag steht, dass die GroKo - sollte sie tatsächlich zustande kommen - bis 2021 eine Milliarde Euro zusätzlich fürs Bafög ausgeben will. 

Für Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk sind das gute Neuigkeiten. Allerdings fragt er sich auch, mit welchen konkreten Maßnahmen die mögliche künftige Bundesregierung diese Trendumkehr in Sachen Bafög erreichen will. In dieser Hinsicht gibt es nämlich zurzeit tatsächlich einige Unklarheiten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath. 

"In Bezug auf den Bafög-Höchstsatz gibt es riesigen Nachholbedarf, weil er zwischen 2010 und 2016 nicht erhöht wurde. Im Moment liegt er bei 735 Euro."
Armin Himmelrath über den Bafög Höchstsatz

Bafög: Elternfreibetrag und Fördersatz müssen raufgesetzt werden

Anja Karliczek, die designierte Bildungsministerin von der CDU, hat im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung gesagt, dass sie erstmal schauen will, warum im Moment nur vergleichsweise wenige Studierende Bafög beziehen. Erst dann könne entschieden werden, wo mehr Geld investiert werden müsse. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath findet, dass das nicht gerade nach schnellem Handeln klingt. Dabei ist für ihn eigentlich ziemlich klar, was beim Bafög passieren muss - und zwar ziemlich schnell:

  1. Ob ein Student Bafög beziehen kann, hängt unter anderem davon ab, wie viel Geld dessen Eltern verdienen. Damit in Zukunft mehr Studenten Bafög bekommen können, müsste der sogenannte Elternfreibetrag raufgesetzt werden. Das bedeutet, auch Kinder von Eltern, die ein höheres Einkommen haben, sollten Bafög beziehen dürfen.
  2. Die Bafög-Fördersätze müssen erhöht werden. Im Moment beträgt der Bafög-Höchstsatz 735 Euro, im Schnitt liegen die tatsächlichen Kosten für die Studierenden aber pro Monat bei 920 bis 950 Euro. Darüber hat Armin Himmelrath hier im Programm auch schon mal berichtet.

Der Bafög-Antrag lohnt sich

Hinzu kommt, dass die Antragsstellung auf Bafög oft ziemlich kompliziert ist. Und das schreckt offenbar viele Studierende ab. Armin Himmelrath sagt, dass knapp die Hälfte aller Berechtigten überhaupt keinen Bafög-Antrag stellt. Damit verzichten Studierende also auf Geld, dass ihnen eigentlich zustünde.

"Das lohnt sich, nen BAföG-Antrag zu stellen, auch wenn man nur kleinere Förderbeträge kriegt. 100 Euro im Monat zu haben, ist wichtig! Da muss man weniger jobben."
Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk rät dazu auf jeden Fall einen Bafögantrag zu stellen

Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk findet das schade. Er hält das Bafög für ein tolles Instrument: "Da gibt es keine Überschuldungsgefahr; der Darlehensanteil ist auf 10.000 Euro gedeckelt. Das kann man auf Jahrzehnte dann zurückzahlen." Und am Ende geht es auch einfach ums Haben oder Nichthaben: Selbst wenn ein Student nur 100 Euro Bafög pro Monat bekommt, kann sich das schon lohnen, findet Stefan Grob.