Lena Kuhlmann hat ihren Traumjob gefunden. Sie reist um die Welt und muss darüber entscheiden, wer ins Guinness Buch der Rekorde kommt.

Sinan Öztürk kann einen Fußball 27,8 Sekunden lang auf der Stirn rotieren lassen. Lang genug um damit als Meister ins Guinness Buch der Rekorde einzuziehen. Diejenige, die sich solche sportlichen Anstrengungen anschauen und darüber urteilen muss, ob der Versuch wirklich rekordverdächtig ist, heißt Lena Kuhlmann. Sie ist 30 Jahre alt und Deutschlands einzige Schiedsrichterin für das Guinness Buch der Rekorde. Lena persönlich hat Sinans Rekord mit der Stoppuhr festgehalten.

Ehre, eine Urkunde und einen Eintrag ins Buch

Sinan macht das übrigens für die Ehre, für eine Urkunde und für einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde. Sein Einsatz mit einem Fußball wirkt geradezu langweilig gegenüber anderen Rekorden, die es auf die Liste der Superlative schaffen. Im November hat zum Beispiel der österreichische Stuntman Joe Tödtling den längsten Ganzkörperbrand ohne Sauerstoff vorgeführt. Joe hat dafür einen Spezialanzug angezogen und wurde angezündet. Der Stuntman in Flammen ist dann nicht ganz sechs Minuten herumgerannt, damit die Flammen nach hinten schlagen und er Luft zum Atmen bekommt.

"Ich finde alles skurril. Alles ist total groß, weit, schwer."
Lena Kuhlmann, Schiedsrichterin für das Guinness Buch der Rekorde

Der Job von Lena Kuhlmann ist es, anwesend zu sein, den Versuch genau zu beobachten und zu dokumentieren. Sie reist dafür nicht nur nach Österreich, sondern auch nach Russland, Rumänien, auf die Philippinen. Ein- bis zweimal die Woche entscheidet die gebürtige Niedersächsin über Scheitern oder Ruhm.

"Die Menschen sind immer besonders, weil die irgendetwas besonders gut können und auch eine große Leidenschaft dafür haben. Das finde ich bewundernswert."
Lena Kuhlmann, Schiedsrichterin für das Guinness Buch der Rekorde

Unlängst war sie in Russland, um die längste Kette aus Nistkästen abzunehmen. Was für eine absurde Idee! Manchmal geht es aber gar nicht darum einen möglichst abwegigen Rekord zu schaffen, sondern manchmal haben die Wettbewerbe auch einen kulturellen Hintergrund. In Russland gibt es zum Beispiel die Tradition, im Frühling einen Nistkasten aufzuhängen, um die Vogelpopulationen zu erhalten. Die Tradition ist inzwischen ziemlich eingeschlafen. Mit der Guinness-Buch-der-Rekorde-Aktion wollte eine Umweltorganisation wieder ein bisschen Aufmerksamkeit dafür schaffen.

Seit mehr als 60 Jahren

Wer beim Guinness Buch der Rekorde immer zuerst an Bier denkt, liegt übrigens gar nicht so falsch. Die britische Brauerei hatte 1955 zum ersten Mal ein Buch mit kuriosen Daten und Fakten aus aller Welt in Auftrag gegeben. Heute erscheint das Buch in mehr als 20 Sprachen.