In Amsterdam sammelt eine Firma alte Kaugummis und produziert daraus neue Schuhe: die Gumshoes. Aber sind die wirklich eine Lösung für das Kaugummi-Problem oder gar eine umweltfreundliche Alternative zu neuen Schuhen?

In den Niederlanden werden jedes Jahr 1,5 Millionen Kilogramm Kaugummi auf die Straße gerotzt und platt getreten. Die Stadt muss für die Reinigung mehrere Millionen Euro ausgeben. "Wie jede Großstadt hat auch Amsterdam ein Problem mit Kaugummi-Resten", sagt die Stadträtin Marijn Bosmam in einem Werbevideo. "Sie haben nach Zigaretten den zweitgrößten Anteil am Müll."

Also sind sie auf die Idee gekommen, die ausgespuckten Kaugummis zu sammeln und als Rohstoff zu verwenden. Für Schuhe. Ein Reinigungsteam muss nun die zerkauten Reste aufsammeln, eine Londoner Firma kann sie dann zu einer Gummimasse recyceln. Daraus werden dann die Gumshoes gemacht, in den zwei Farben pink und schwarz, circa 50 Euro sollen sie für Vorbesteller kosten.

"Modeindustrie ist Teil des Problems"

Ganz neu ist die Idee, aus Abfall neue Mode zu machen, allerdings nicht. Jeans aus Plastik oder Jacken aus alten PET-Flaschen gibt es bereits. Ob mit solchen Produkten allerdings tatsächlich etwas Gutes für die Umwelt getan wird, ist fraglich. Im Gegenteil sieht die Publizistin Kathrin Hartmann die Modeindustrie mit ihrer Massenproduktion als Teil des Problems.

"So viele Klamotten sind auf der Welt im Umlauf, die kann kein Mensch tragen!"
Kathrin Hartmann, Autorin von "Die grüne Lüge"

In Asien haben sich zum Beispiel viele Firmen auf Plastikrecycling spezialisiert, und sie verbrauchen so viele PET-Flaschen, dass ihnen der Nachschub fehlt. Also werden die Flaschen aus Europa einmal um die halbe Welt verschifft, in Asien verarbeitet und dann in Grüner Mode wieder zurück transportiert. Umweltfreundlich ist das nicht.

"Mode aus recycelten Materialien ist also häufig leider nichts anderes als Marketing", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag. Und das ist wohl auch bei den Gumshoes der Fall: "Mit recycelten Schuhen kann man Öffentlichkeit erzeugen." Immerhin kann die Stadt Amsterdam mit ihren Gumshoes ein Bewusstsein dafür schaffen, dass weniger Kaugummis auf den Boden gespuckt werden.

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Kathrin Hartmann bleibt kritisch: "Da muss man fragen, wo denn sämtliche anderen Materialien für diesen Schuh herkommen und mit welchem Energieaufwand da aus Kaugummis Gummisohlen gemacht werden sollen." Hier solle also ein Problem, das durch Konsum entsteht, durch Konsum gelöst werden. Kathrin Hartmann appelliert daher: Kauft statt recycelter Mode einfach nur viel weniger. Vor allem keine Billigkleidung.

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