Wir wollen einzigartig und individuell sein. Wir verwandeln uns in eine Gesellschaft der "Singularitäten", sagt der Soziologe Andreas Reckwitz in seinem Vortrag.

Auf sozialen Plattformen basteln wir uns ein Profil zusammen, das sich von allen anderen unterscheiden soll. Auf Reisen meiden wir touristische Ziele und suchen das "Authentische". Statt unsere Wohnung mit Standardmöbeln auszustatten, wollen wir Vintage-Stücke, die sonst keiner hat.

"In der Spätmoderne zählt nur das Besondere, das Individuelle, das Singuläre, das Nichtaustauschbare. Das ist das, was die Gesellschaft und die Individuen interessiert."
Andreas Reckwitz, Soziologe

Für Andreas Reckwitz ist das mehr als nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Dass so viele von uns danach streben, möglichst einmalig, individuell und authentisch zu sein, ist für ihn ein Symptom dafür, dass wir uns in einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandlungsprozess befinden. 

Der hat tiefgreifende Folgen: Bei Job-Bewerbungen zum Beispiel zählen nicht mehr alleine die fachlichen Qualifikationen, sondern gesucht wird die Bewerberin oder der Bewerber mit dem außergewöhnlichen Profil.

"Eine soziale Logik des Allgemeinen tritt immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen lässt sich die spätmoderne Gesellschaft von Bewertungssystemen prägen, die man als eine soziale Logik des Besonderen beschreiben kann."
Andreas Reckwitz, Soziologe

Andreas Reckwitz ist Soziologe und Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Er hat seinen Vortrag am 11. Dezember 2018 in Berlin gehalten, am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft.

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