"Gutmensch" hieß vor zwei Jahren ein Song des Comedy-Duos Suchtpotenzial. Jetzt wurde der Begriff zum Unwort des Jahres gewählt. Sängerin Julia Gamez Martin ist davon nicht unbedingt begeistert - und freut sich trotzdem ein bisschen.

Was reimt sich auf "Gutmensch"? Eigentlich nichts, dachten Ariane Müller und Julia Gamez Martin vom Comedy-Duo Suchtpotenzial vor zwei Jahren - und wurden dann doch noch fündig: im Schwäbischen, weil die Mundart manchmal so schön vernuschelt klingt. Damals spielten die beiden viel in Tübingen. "Das ist ja die City der Gutmenschen", sagt Sängerin Julia Gamez Martin. Jeder Laternenpfahl sei eingehäkelt, überall gebe es vegane Restaurants.

"Weil du nur mit Fraue vögelsch, die du gut kennsch - bisch du ein Gutmensch."
Suchtpotenzial in ihrem Song "Gutmensch"

Selbstironisches über "Soja-Latte-trinkende Bio-Bürger"

Mit ihrem Song wollten Julia und Ariane einerseits natürlich die Gutmenschen auf die Schippe nehmen - andererseits aber auch selbstironisch auf sich und ihre Lebensumgebung blicken. Im Prenzlauer Berg in Berlin jedenfalls, sagt Julia augenzwinkernd, sei sie von jeder Menge "Soja-Latte-trinkender Bio-Bürger" umzingelt. Dass der Begriff jetzt zum Unwort des Jahres wurde, findet sie ein bisschen schade: Sie hätte sich eine bessere, positivere Werbung für ihren Song gewünscht.

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Andererseits aber freut sie sich über die Aufmerksamkeit, die damit verbunden ist. Und seit einiger Zeit gibt es zum Gutmenschen-Lied von Suchtpotenzial auch eine Fortsetzung: das Stück "Wutmensch" - ein Song, mit dem sie ihrem Ärger darüber Luft machen, dass Rechte ihr Gutmenschen-Stück missbraucht und umgedeutet haben.