Am 18. Oktober 1921 marschiert die Rote Armee auf der Krim ein ruft dort eine "Autonome Sozialistische Sowjetrepublik" aus. Da hat die geostrategisch günstig gelegene Halbinsel im Schwarzen Meer schon eine jahrhundertelange turbulente Geschichte hinter sich.

Dezember 1917 - in Russland herrscht Chaos, die Revolution hat nicht nur die Zarenfamilie aus St. Petersburg vertrieben, sondern das ganze Land in Aufruhr versetzt. Überall entstehen Sowjets (Russisch für "Rat"), in denen Arbeiter und Soldaten über das weitere Schicksal des Landes entscheiden. Auch auf der Halbinsel Krim geht es turbulent zu - wie schon so oft zuvor.

Die bewegte Geschichte der Halbinsel Krim

Rückblick: Die Krim gehörte seit der Annexion durch die Zarin Katharina II. im Jahr 1783 zum Zarenreich: "Von nun an und für alle Zeiten", hatte die Zarin verkündet, gehöre die Krim zu Russland. Aber ein pflegeleichter Teil des Zarenreichs war die Krim nicht.

Nach und nach hatte die Krim aber an Bedeutung für das russische Zarenreich gewonnen. Denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bauten russische Militärs den Hafen von Sewastopol zum Stützpunkt der Schwarzmeerflotte aus.

Der Krimkrieg (1853 – 1856) zwischen Russland und den europäischen Großmächten Frankreich und England, die durch das Osmanische Reich und das Königreich Sardinien unterstützt wurden, machte die geostrategische Bedeutung der Schwarzmeerhalbinsel deutlich. Russland erlitt eine Niederlage und musste anerkennen, dass seine Position im "Konzert der Großmächte" geschwächt war. Als Folge dieses Krieges flohen viele muslimische Tartaren in das Osmanische Reich und sorgten so für eine politische Destabilisierung der Krim.

Der Einmarsch der Roten Armee auf der Krim und die Folgen

Nach der erfolgreichen Oktoberrevolution stellt sich die Krim nun gegen die neue Politik, die noch verbliebenen Krimtataren rufen im Dezember 1917 die säkular-demokratische Volksrepublik Krim aus. Es folgen turbulente Jahre auf der Krim, denn schon wenige Wochen später zerschlagen die Bolschewiki die Volksrepublik und etablierten eine sozialistische Sowjetrepublik, die wenige Wochen später allerdings von Truppen der Ukrainischen Volksrepublik besetzt wird.

Während des russischen Bürgerkriegs wird die Halbinsel von den antibolschewistischen Weißen Garden besetzt. Als aber diese vor der vor allem von England und Frankreich unterstützten Freiwilligenarmee kapituliert, marschiert die Rote Armee ein und ruft am 18. Oktober 1921 die Krim zur "Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik" der "Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik" aus.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Die Wiener Historikerin Kerstin Susanne Jobst erläutert die Rolle der Krim innerhalb des russischen Zarenreichs.
  • Der Historiker Norbert Kunz hat sich mit der Geschichte der deutschen Krimbesetzung während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt.
  • Die DLF-Osteuropa-Korrespondentin Sabine Adler erklärt die Bedeutung der Krim im Denken des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
  • Deutschlandfunk Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erinnert an die Geschichte der Krim, die schon im Mittelalter große geostrategische Bedeutung erlangt hat.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Veronika von Borries schildert den Einmarsch der Roten Armee auf der Krim und den Terror, der unmittelbar anschließend begonnen hat.