Christian hat genug von beengten Räumen und künstlichen Welten. Er haut ab in die Natur. Bei den Baumbesetzern im Hambacher Forst findet er hoch oben neuen Anschluss. Christian will ins Baumhaus klettern, mit den Baumbesetzern über ihren Protest sprechen und erfahren, wie es ist, in die Natur abzuhauen.

"Hier herrscht ja nicht immer Ausnahmezustand. Jetzt zum Beispiel stehe ich hier auf der Wiese vor dem Wald. Es hat hier was von Ferien auf dem Bauernhof, nur mit cooleren Behausungen."
Christian Schmitt, Reporter

Für die Aktivisten im Hambacher Forst ist die ganze Sache etwas weniger romantisch als für Christian. Die leben zum Teil auf einer Wiese neben dem Hambacher Forst und zum Teil in Baumhäusern im Wald. Grund ist der Braunkohletagebau von RWE Power, wo riesige Bagger ein Loch in die Landschaft graben, um an die Braunkohle zu kommen. Die Aktivisten sind gegen Braunkohleenergie, weil die als sehr schmutzig gilt. Außerdem verschwindet durch den Kohleabbau aber auch ein sehr alter Wald - der Hambacher Forst.

"Mich macht es wütend. Vor allem, wenn dann Leute kommen, die nicht mal selber nachdenken, sondern einfach nur Befehle ausführen."
Sophie, Baumbesetzerin im Hambacher Forst

Die Aktivisten leben deswegen zum Teil in Baumhäusern - zehn bis 25 Meter über dem Erdboden. Denn solange sich Menschen in den Baumhäusern befinden, können die Bäume nicht gefällt werden. In der Vergangenheit ist es aber auch immer wieder zu Gewalt zwischen Polizei, Baumbesetzern und Personal des Energiekonzerns RWE Power gekommen.

Das Leben im Wald und am Waldrand funktioniert ein bisschen wie in einem permanenten Ferienlager. Vieles ist improvisiert, gekocht wird in einem Küchenzelt. Der Strom wird selber erzeugt über Windräder und Solarzellen. Es gibt zum Beispiel einen Sonnenofen, um zu kochen. Und Lebensmittel und Baumaterial kommen aus Spenden.

Eine andere Welt in der Baumkrone

Christian besucht zusammen mit Sophie - die übrigens nicht wirklich so heißt - auch das Baumhaus "Mona". Es liegt in 15 Metern Höhe und kann nur mit Klettergurten und Seilen erreicht werden. Bis Christian oben ist, vergeht ein bisschen Zeit und es tropft auch ein bisschen Schweiß, aber dann wird er für seine Mühe belohnt. Dort oben ist es total ruhig. Nur der Wind ist zu hören, alles ist grün und dann ist da ein richtiges kleines Häuschen mitten im Baum.

"Das Highlight, die Schlafnische, mit Panoramafenstern. Man hat 'nen wunderbaren Ausblick, wenn man morgens aufwacht, auf jeden Fall."
Sophie, Aktivistin im Hambacher Forst
Christian klettert ins Baumhaus.
© Max Burbach | DRadio Wissen

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