Wir texten wie die Weltmeister, aber handschriftlich reicht es meist nur noch für eine Post-it-Nachricht oder einen Kartengruß. Was aber wenn wir wieder richtig viel mit der Hand schreiben müssen? Das kann sogar weh tun.

Unsere Handschrift: jederzeit verfügbar, manchmal sogar grazil und auf jeden Fall persönlich. Auch deshalb ist der handschriftliche Liebesbrief meist schöner als die Endlos-E-Mail. "Handschreiben ist nicht nur eine Kulturtechnik. Durch das Handschreiben kommunizieren wir. Wir können uns individuell ausdrücken," sagt Marianela Diaz Meyer vom Institut für Schreibmotorik, das effizientes Schreiben erforscht. Durch die Hand-Motorik helfe das Schreiben sogar dabei, sich Inhalte zu merken.

Bis es weh tut

Für alle, die am "Tag der Handschrift" noch keinen Stift zwischen den Fingern gehabt haben, hat sich DRadio-Wissen-Reporter Stephan Beuting dahin begeben, wo mit der Hand zu schreiben weniger romantisch ist. Denn an der Uni wird noch massig mitgekritzelt oder werden stundenlang Klausuren geschrieben. Für Lehramtsstudent Kevin ist das bisher kein Problem: "Ich schreibe relativ wenig. In Spanisch und Englisch muss man Examensprüfungen schreiben. Sechs Prüfungen - das ist machbar."

Kevins Tipp, wo das Schreibpensum schon heftiger werde, sei das Juridicum. Dort trifft unser Reporter tatsächlich eine Studentin, der das viele Schreiben leider deutlich zugesetzt hat: Eine Sehnenscheidenentzündung, die so schlimm wurde, dass sie operiert werden musste. Jetzt hilft ihr nur noch ein amtsärztliches Attest, damit sie das Jura-Examen auch am Computer schreiben kann. Schreibalternativen sind in den meisten Unis bisher noch die Ausnahme.

"Man geht nicht ins Examen und hat noch nie vorher eine Probeklausur geschrieben. Im Schnitt schreiben die Studenten fast 40, 50, 60 Klausuren."
Jurastudentin aus unserer Umfrage

Zu viel Anspannung und eine einseitige Belastung (übrigens auch beim Tippen auf dem Handy) wirken sich negativ auf unseren Schreibapparat aus. Für alle, die Probleme haben, empfiehlt Marianela Diaz Meyer regelmäßige Lockerungsübungen: "Wenn Sie sich vorstellen einen Regenbogen zu zeichnen, geht die Hand dabei mit der ganzen Bandbreite der Bewegung aus dem Handgelenk." Bleibt jedoch der Schmerz, wird es Zeit für den Arzt und für eine Schreibalternative - ganz gleich wie schön die Handschrift auch ist.