Auch Apps eignen sich zur Überwachung – sogar dann, wenn sie nicht mehr installiert sind. Dafür arbeitet die App-Industrie mit stillen Benachrichtigungen.

Tracking im Netz funktioniert vor allem mit Cookies oder Browser-Fingerprints. So können Webseiten unsere Surfaktivitäten verfolgen und Profile erstellen. Das Ziel ist personalisierte Werbung. Tracking mit Handy-Apps ist ein neueres Phänomen. Das sogar dann funktioniert, wenn die Apps längst deinstalliert sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Unser Netzreporter Andreas Noll, hat sich das Vorgehen der Unternehmen genauer angesehen. Die Technik ist relativ simpel. Man greift dabei auf Uninstall-Tracker zurück. Bekannt ist dieses Vorgehen bei Spotify, Yelp und der US-Tochter der Telekom. Diese Programme versenden stille Benachrichtigungen, um Kontakt mit dem Gerät des Nutzers aufzunehmen. Diese stillen Benachrichtigungen können auch durchaus eine sinnvolle Funktion haben – zum Beispiel, unsere Feeds im Hintergrund zu aktualisieren. Sie lassen sich aber auch zur Überwachung nutzen.

"Die Uninstall-Überwachung verschickt kontinuierlich stille Push-Nachrichten. Wenn das Handy sich nicht mehr meldet, weiß ich auch Bescheid."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Der Uninstall-Tracker verschickt während man die App nutzt sogenannte silent messages – und wenn dann irgendwann keine Antwort mehr von der App kommt, aber das Handy noch im Netz ist, dann weiß der Tracker, dass die App deinstalliert wurde.

Aus App-Daten werden Profile

Das ist für die App-Industrie eine essenzielle Information, es geht um einen Milliardenmarkt. Die Firma Localytics betreut beispielsweise nach eigenen Angaben rund 6000 Firmen und kontrolliert 40.000 Apps auf mehr als 2,7 Milliarden Geräten. Dazu Nutzungsstatistiken zu haben, zu sehen, wie erfolgreich eine App gerade ist, ist für die App-Anbieter eine wichtige Information. Wenn die Bahn beispielsweise merken würde, dass viele Kunden die App nach einem Update wieder deinstallieren, ist das eine wertvolle Information, die die Zahl der App-Downloads ergänzt.

"Nachdem der User in eine Datei eingetragen wurde, kann das Unternehmen auch ohne App Kontakt zu dir aufbauen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Für die App-Nutzer bedeutet das: Die Beziehung zwischen dem Unternehmen, das die App anbietet und dem User endet nicht unbedingt damit, dass der Nutzer die App löscht. Das Unternehmen kann wieder Kontakt zu ihm aufbauen mit Werbung, auch ohne App . Denn der User hat eine eindeutige Werbe-ID und das Unternehmen kann Werbung für die App beim User platzieren. 

Dagegen könnt ihr kaum etwas tun. Alternative und offene Smartphone-Betriebssysteme, also andere als iOS und Android, machen das Tracking ein bisschen weniger wahrscheinlich. Immerhin verstößt die Nutzung stiller Benachrichtigungen zu Werbezwecken gegen die Richtlinien von Apple und Google – dafür genutzt werden sie allerdings trotzdem, und dass die Unternehmen Gegenmaßnahmen ergriffen hätten, ist bisher nicht bekannt.

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