Unsere Reporterin Hanna Ender ist für uns auf "Vote Trip" quer durch Amerika unterwegs. In Nebraska hat sie einen Stopp eingelegt. Und dort heißt es - ganz im Gegensatz zu Trumps Rhetorik: Refugees Welcome!

Ich sitze in einem Klassenraum, mitten in Omaha, Nebraska. Hier im Refugee Empowerment Center beginnt gerade der Englisch-Unterricht für die Flüchtlinge. Und dazu gehört - wie an allen Schulen in den USA - die Pledge of Allegiance, das Treue-Gelöbnis gegenüber der Nation. Alle Flüchtlinge stehen, ihre Hand haben sie aufs Herz gelegt. Und in noch etwas gebrochenem Englisch sprechen sie die Worte: "I pledge allegiance to the flag of the United States of America…"

"Es bedeutet mir so viel, diesen Menschen die Tools mitzugeben, die sie brauchen, um sich auf unser Land einzustellen. Ich denke, die Sprache ist da ganz sicher das Wichtigste."
Kathy, Englisch-Lehrerin am Refugee Center in Omaha
Grafik Hannas Vote Trip
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Eines der Programme des Refugee Centers ist das "First Friends"-Programm - ein Integrations-Programm, das Flüchtlinge mit Amerikanern zusammen bringt. Und wie mir Flüchtlingshelfer Faiz erzählt, gibt es in Nebraska eine ausgeprägte Willkommenskultur gegenüber den Neuankömmlingen: "Die meisten Menschen heißen die Flüchtlinge hier Willkommen - und wenn sie über ihre eigene Geschichte nachdenken und darüber, wie sie selbst in die USA gekommen sind, noch viel mehr."

Amerika ist ein Einwanderungsland

Gegen das Bild, das Trump in seinem Wahlkampf zeichnet, wehrt sich Faiz. Er ärgert sich darüber, dass Trumps Hetze die Arbeit von vielen Freiwilligen kaputt macht und Flüchtlinge einschüchtert. Nach wie vor seien die USA ein Einwanderungsland, sagt er.

Frau und Mann im Gespräch.
© Hanna Ender
Das Bild, das Trump im Fernsehen vermittelt, sei ein falsches, sagt Flüchtlingshelfer Faiz.

85.000 Flüchtlinge hat die USA im vergangenen Jahr aufgenommen, rund 1000 davon wurden in Nebraska angesiedelt. Kam ist gerade frisch nach Omaha gekommen. Der 27-Jährige kommt aus dem Bürgerkriegsland Sudan. Als er Kindersoldat werden sollte, floh er nach Uganda und hat viele Jahre in Flüchtlingscamps verbracht. Erst vor drei Monaten ist er in die USA gekommen.

"Hier in Amerika zu sein ist für mich wie ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich fühle mich hier nicht nur sicher, ich fühle mich wie in einer Familie - unter Leuten, die sich kümmern."
Kam, Flüchtling aus dem Sudan

Kam hat sofort eine eigene Wohnung bekommen und nimmt an Sprach- und Integrationskursen teil. Flüchtlinge in den USA müssen dafür innerhalb von drei Monaten einen Job gefunden haben. Deswegen hat Kam morgen sein erstes Vorstellungsgespräch - bei Star Bucks. Nach fünf Jahren darf Kam dann auch wählen - wenn alles klappt und er bis dahin amerikanischer Staatsbürger ist.