2017 wurden die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein öffentlich. Jetzt beginnt der Prozess. Schwierig dabei wird allein, eine Jury zusammenzubekommen.

In New York beginnt am 6. Januar 2020 der Prozess gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass er über viele Jahre über 80 Frauen sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt haben soll. Auch der Begriff "#metoo" wurde in dieser Zeit geprägt, der bis heute für das Engagement gegen sexuelle Übergriffe gegen Frauen steht.

Die meisten Fälle bereits mit Vergleich beendet

In vielen Fällen, in denen Frauen Harvey Weinstein Vergewaltigung oder sexuelle Belästigung vorwerfen, wurde inzwischen ein Vergleich mit einer Geldzahlung verhandelt. Im jetzt startenden Prozess geht es nur noch um zwei Vorwürfe: Harvey Weinstein soll eine Frau vergewaltigt und eine andere zum Oralsex gezwungen haben. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen Weinstein bis zu mehreren Jahren Gefängnis. Es wird ein schwieriger Prozess erwartet, sagt der ARD-Korrespondent in New York, Peter Mücke.

"Es besteht die Gefahr, dass die Geschworenen ein Exempel statuieren."
Peter Mücke, ARD-Korrespondent in New York

Zu Beginn des Prozesses muss nach US-amerikanischen Recht eine Jury ausgewählt werden, die möglichst unabhängig ist. "Das ist in diesem Fall besonders schwierig", sagt Peter Mücke. Denn der Fall Weinstein war lange Zeit medial sehr präsent. Zudem hat der Fall an sich, mindestens aber die draus resultierende Me-Too-Debatte, ein großes Polarisierungs-Potenzial.

"Es besteht die Gefahr, dass die Geschworenen ein Exempel statuieren", sagt Peter Mücke. Die einen könnten Harvey Weinstein als die Person ansehen, die stellvertretend für viele übergriffige oder sogar gewalttätige Männer bestraft werden soll. Andere dagegen halten das ganze Thema für übertrieben und sehen die Männer längst im Nachteil gegenüber Frauen, die sich mit ungerechtfertigten oder gar erfundenen Anschuldigung wichtig machen wollen.

Schwierige Auswahl der Jury

Bei der Zusammenstellung der Jury werden also zum Beispiel die Social-Media-Aktivitäten der in fragekommenden Personen ausgewertet, um eine eventuell vorhandene Voreingenommenheit rechtzeitig zu erkennen.

Weinstein selbst beteuert seine Unschuld. Er habe zudem mehr Filme als anderen produziert, die von Frauen gedreht wurden oder von Frauen handeln. Er habe 30 Jahre lang Frauen in der Branche gefördert. Eine Anwältin von Harvey Weinstein sagt, ihr Mandant freue sich auf den Prozess.