Mehrere internationale Konzerne entfernen ihre Youtube-Werbung. Die war teilweise auch in Videos von Hasspredigern und Extremisten zu sehen.

Marken wie Chanel, der Guardian, McDonald's und Audi schalten in Großbritannien ihre Werbung vorerst nicht mehr bei Youtube. Die Werbung war vor beziehungsweise in Videos von Hasspredigern und Nationalisten zu sehen, zum Beispiel:

  • Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke. Duke hatte Verschwörungstheorien verbreitete, Juden würden die ethnische Säuberung der weißen Bevölkerung in den USA vorbereiten.
  • Anzeigen für die britische Navy liefen neben homophoben Tiraden.
  • Werbung für den Guardian war in einem Videoclip amerikanischer Nationalisten und islamistischer Hassprediger platziert.

Der Guardian hatte entschieden, Youtube zu boykottieren und diese Entscheidung öffentlich gemacht. Daraufhin stoppte die große britische Mediaagentur "Havas UK" ebenfalls die Schaltung von Werbung bei Youtube und bei Google. Sie betreut unter anderem die Werbung für den Mobilfunkkonzern O2 und die Royal Mail.

Einsatzort von Werbung wird automatisch bestimmt

Youtube kann seinen Anzeigenkunden nicht garantieren, dass ihre Werbebotschaften nicht in einem extremistischen, homophoben oder einem anderen menschenverachtenden Umfeld landen. Ein ähnliches Phänomen ist auch aus der Breitbart-Boykott-Diskussion bekannt.

Die konkreten Einsatzorte der Werbung werden bei Google und Youtube automatisch bestimmt. Das führt dazu, dass Werbetreibende keinen Einfluss darauf hatten, wo genau die Werbung erscheint.

Immerhin: Man kann bei Google Adsense, dem Anzeigenprogramm von Google, bestimmte Publikationen auf eine sogenannte Blacklist setzen. So gibt es mittlerweile hunderte Werbetreibende, die keine Anzeigen mehr auf der ultrarechten Webseite "Breitbart" schalten.

Bei Youtube ist es dagegen schwieriger, bestimmte Inhalte zu blacklisten, was an der großen Menge an Videomaterial liegt, die jede Sekunde hochgeladen wird. Nicht jedes Video kann direkt eingestuft werden in "Nicht mit meiner Werbung versehen".

"Google unternimmt viel zu wenig"

Yvette Cooper vom Home Affairs Committee der britischen Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen Google. Das Unternehmen profitiere durch die Schaltung von Anzeigen im Umfeld von Hasstiraden und extremistischen Inhalten und unternehme viel zu wenig gegen Extremismus auf der eigenen Plattform.

Google hat sich mittlerweile für die Vorfälle entschuldigt. Ein Blogeintrag kündigt an, dass Werbetreibende auf Youtube mehr Kontrolle darüber bekommen sollen, wo ihre Werbung eingesetzt wird. 

Das Blog "Gulli" findet, Google rede das Problem klein.