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Die Rolle der Religion wird bei der Betrachtung terroristischer Taten zu oft unterschätzt. Und das Konzept der "radikalen Erlösung" außer Acht gelassen, meint Sicherheitsexpertin Beatrice de Graaf.

Beatrice de Graaf ist Historikerin, sie beschäftigt sich mit Terrorismus und Radikalisierung in unterschiedlichen Ausprägungen. Sie hat für ihre Arbeit unter anderem Dschihadisten in Haft interviewt und kommt zu dem Schluss: Die Forschung zur Frage, was Radikalisierung antreibt, übersieht zu oft die Idee der radikalen Erlösung.

"Die Idee von Erlösung ist in allen Wellen von Terrorismus zu Hause."
Beatrice de Graaf, Radikalisierungsforscherin, Universität Utrecht

In den Sozialwissenschaften werden bei der Radikalisierungsforschung meist drei Rs definiert, sagt Beatrice de Graaf:

  • Ruhm
  • Rache
  • (erwünschte) Reaktion

Das vierte R für Religion werde oft übersehen.

Sie selbst sieht Religion und die Suche nach Erlösung auch nicht als Prädiktor für Radikalisierung, sondern als Moderator. Also: Wer religiös ist, wird nicht zwangsläufig terroristisch handeln. Aber Religion kann eine Rolle spielen – im bereits einsetzenden Prozess einer Radikalisierung.

Erst Rationalität, dann Terror

Allerdings weist Beatrice de Graaf auch darauf hin, dass Ideen von Erlösung auch in säkularen Terrorgruppen eine Rolle spielten.

"Es ist leider so, dass Terroristen über rationale Motivlagen zu ihren Handlungen kommen."
Beatrice de Graaf, Radikalisierungsforscherin, Universität Utrecht

Die Idee von Erlösung setze Menschen in Bewegung und biete einen psychologischen Bewältigungsmechanismus.

Erlösungsglaube als Motivation

Sie motiviere, vermeintlich Gutes zu tun, für sich selbst und/oder die Gemeinschaft.

"Sie alle fühlten sich zu Höherem berufen. Sie wollten etwas Gutes tun."
Beatrice de Graaf, Radikalisierungsforscherin, Universität Utrecht

Beatrice de Graaf führt auch aus, welche Rolle Social Media beim Validieren solcher Ideen und Taten spielt. Erlösung brauche Bestätigung. Bleibe die aus, stürze das Konzept der Erlösung in sich zusammen.

Beatrice de Graaf ist Historikerin an der Universität Utrecht, sie arbeitet zu den Themen Sicherheit und Radikalisierung.

Ihren Vortrag mit dem Titel "Was Terroristen hoffen", hat sie am 9. Juni 2026 in der Aula der Universität Bamberg im Rahmen der Hegel-Woche 2026 gehalten. Diese stand unter dem Motto: Die Fanatiker – überall? Wir alle?

Shownotes
Heiliger Krieg
Terror und das Konzept der radikalen Erlösung
vom 28. Juli 2026
Moderation: 
Katja Weber
Vortragende: 
Beatrice de Graaf, Historikerin und Sicherheitsexpertin, Universität Utrecht
  • Beginn des Vortrages: Vorbemerkungen
  • Radikalisierung, Extremismus, Terrorismus - und eine Leerstelle
  • Welche Rolle spielt Religion bei der Radikalisierung?
  • Erlösung im nicht-religiös grundierten Terrorismus. Und gamifiziert auf social media
  • Erlösung und Geopolitik
Quellen aus der Folge: