Hirsche sind Hip, Heimatfilme und Heidi auch: Wir sehnen uns nach Heimat, weil die globalisierte, moderne Welt viel zu unsicher ist. Beate Mitzscherlich ist Psychologin und weiß, was hinter unserer Sehnsucht nach einem Zuhause steckt.

"Es gibt uns Halt, uns an Dingen zu erfreuen, die scheinbar gleich bleiben."
Beate Mitzscherlich über hippe Retro-Wohnzimmer mit Hirschgeweih

Hirschgeweihe sind eigentlich spießig, heute sind sie wieder schick, als Deko über der Designercouch. Es macht uns Spaß Heimat ironisch zu inszenieren. Beate Mitzscherlich sieht darin eine ähnliche Entwicklung, wie es sie in den 50er Jahren schon gegeben hat. "Dieser Rückbezug auf Heimat kam immer dann, wenn die Außenwelt unsicher und unheimlich war." Die idyllischen Aspekte der Heimat seien ein Kontrast zur globalisierten Moderne, wo wir immer überall sein können.

Heimatgefühle

Heimat, sagt Beate Mitzscherlich, können mehrere Orte sein. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Menschen, mit den man sich verbunden fühlt. Heimat ist ein Gefühl, das können Gerüche, Musik, Geräusche sein. So werden Orte zu Teilen unserer Identität.

"Ich komme ursprünglich aus dem Spreewald, lebe seit 20 Jahren in Leipzig, arbeite in Zwickau und bin sehr gerne in Osteuropa."

Wahlheimaten

Manchmal lassen Menschen ihre Heimat auch hinter sich. Heimat heißt entkommen sein, hat Theodor W. Adorno gesagt, als er in den 30er Jahren Nazideutschland verlassen hatte. Bei den einen führt das dazu, dass sie eine neue Heimat finden, mit neuen Bezugspersonen und anderen Gefühlen besetzt.

Zurück zu den Wurzeln

Andere Menschen merken in der Fremde, dass ihre eigentliche Heimat doch der Ort ist, aus dem sie stammt. "Erst in der Fremde erfahren wir, dass die Enge, die wir als Jugendliche als Kontrolle erfahren haben, etwas Unterstützendes und Haltendes sein kann", sagt Beate Mitzscherlich über Menschen, die irgendwann zurückkehren in die Kleinstadt oder das Dorf, aus dem sie stammen.

Virtuelle Heimat?

Im Grunde funktionieren wir Menschen wie Tiere."So wie Tiere ein Territorium haben, brauchen wir Menschen das auch." Beate Mitzscherlich glaubt nicht daran, dass wir in der virtuellen Welt eine Heimat finden können. Ganz einfach, weil wir unsere Körper dort nicht mit hinnehmen können.

"Facebook kann uns nicht umarmen."
Beate Mitzscherlich über Heimat im Netz