"It's gettin' hot in here" – dachten sich die Betreiber eines Clubs in Glasgow und machte sich das zu Nutze. Sie ließen ein System einbauen, mit dem die Wärme gespeichert werden kann.

Der Club SWG3 in Glasgow muss diesen Winter weniger Angst vor der Heizkosten-Abrechnung haben. Denn dort wird inzwischen mit der gespeicherten Wärme geheizt, die die Besucher*innen beim Tanzen und Feiern abgeben. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Benedikt Scherm hat sich die Anlage angesehen.

Wärme wird mithilfe von Geothermie gespeichert

An der Decke des SWG3 sind, wie in anderen Clubs auch, graue Kästen montiert – eine klassische Klimaanlage. Die heiße Luft während der Feierstunden erwärmt in der Klimaanlage eine Trägerflüssigkeit, erklärt Benedikt Scherm. Diese wird anschließend abgepumpt und erwärmt wiederum eine andere Flüssigkeit, die im Grunde nur aus Wasser und Frostschutzmittel besteht.

Diese Flüssigkeit wir dann im Garten des Clubs in mehrere Bohrlöcher gepumpt und mithilfe von Geothermie, also Energie aus den Tiefen der Erde, etwa 200 Meter tief unter der Erde gespeichert. Die Speicherung im Erdtank lässt sich mit einer Batterie vergleichen: Der Tank wird mit Energie aufgeladen und wird bei Bedarf nach oben gepumpt.

"Bei einem Event mit tausend Menschen speichern wir ungefähr 800 Kilowattstunden an Wärmeenergie. Das ist ungefähr so viel wie 55 Haushalte in der Woche zum Heizen benötigen."
David Townsend, Erfinder der Anlage

Die Anlage speichert in den Nächten von Freitag und Samstag sogar mehr Energie, als der Club für den Rest der Woche zum Heizen benötigt. Trotzdem muss ein Club sich eine solche Investition überhaupt erst einmal leisten können: Rund 700.000 Euro kostet die Anlage.

Im Fall des SWG3 handelt es sich um einen großen Club, mit zwei Hallen für über 1.000 Menschen, Ateliers und Studios für lokale Künstler*innen. Unter der Woche finden dort Ausstellungen und Events statt. Von der schottischen Regierung gab es für das weltweit bisher einzigartige Projekt finanzielle Unterstützung oben drauf.

"Der Fraunhofer-Campus in Bochum wird genau so klimatisiert. Wir tanzen zwar weniger, aber da sitzen unsere Wissenschaftler*innen und produzieren mit ihren Denksportaufgaben Wärme."
Rolf Bracke, Leiter das Fraunhofer-Instituts für Geothermie

Trotzdem haben schon viele weitere Clubs ihr Interesse an der Anlage bekundet. So beispielsweise der Berliner Queer-Club SchwuZ. Dort gab es schon eine Ortsbegehung. Allerdings muss die Finanzierung noch geklärt werden.

Ganz neu ist das System aber nicht. Auch andere Gebäude werden bereits so klimatisiert, beispielsweise der Fraunhofer-Campus in Bochum. Diese Methode lässt sich also nicht nur für Clubs anwenden, sondern könnte in vielen Bereichen eine Alternative sein. Auch in Fußballstadien und für ganze Stadtteile lässt sich die Technologie nutzen. Rund ein Viertel des gesamten Wärmebedarfs in Deutschland könnte so gedeckt werden.

  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartner:  Benedikt Scherm, Deutschlandfunk-Nova-Reporter