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Ehrgeiz und Sorgfalt sind eigentlich positive Eigenschaften. Doch Henrike belastet ihr Streben nach Perfektion. Wie sie damit umgeht, erzählt sie uns im Podcast.

Wenn sie ihre Zähne nicht mindestens zehn Minuten putzt, dann denkt Henrike, dass sie noch nicht sauber genug sind. Wenn sie mit Freundinnen und Freunden einen gemütlichen Abend verbringen will, dann vergleicht sie sich ständig mit ihnen. Sie redet sich ein, nicht so klug und nicht so schlagfertig zu sein wie die anderen. Für die Perfektionistin wird ein entspanntes Treffen so zur Anstrengung.

"Der Perfektionismus kann mir schon den Genuss in manchen Situationen nehmen."
Henrike über ihr Gefühl, defizitär zu sein

Das ständige Sich-mit-anderen-Vergleichen begleitet Henrike. "Das ist so ein grundsätzlicher Gedanke, der dahintersteckt, dass ich nicht gut genug bin und Sachen nicht gut genug mache", sagt Henrike.

Perfektionismus: Wenn To-Do-Listen das Leben bestimmen

Lange Zeit habe Henrike nicht verstanden, woher der ständige Druck und die Anspannung in ihrem Leben kommen, erzählt sie. Erst als sie ihre Gedanken und Gefühle zugelassen hat, konnte sie für sich formulieren, dass sie eine Perfektionistin sei. Seitdem könne sie sich im Alltag etwas besser entspannen – ohne schlechtes Gewissen und ohne den Blick auf die nächste To-do-Liste. Sie richtet den Blick mehr auf sich selbst, sagt sie. Auch ihr Umfeld unterstützt sie dabei, die schlechten Gefühle loszuwerden.

Ihre Eltern hätten immer viel gearbeitet, viel geleistet. Sie seien "klassisch neoliberal" eingestellt. Doch die Ursache für ihren Perfektionismus sieht Henrike nicht allein im familiären Umfeld begründet. "Auch die Gesellschaft möchte, dass ich mich stetig verbessere und noch effizienter werde", sagt sie.

"Ich beneide meine Schwester immer sehr. Sie lebt sehr viel, wonach ich mich sehne."
Henrike über ihre Schwester

Eine ihrer jüngeren Schwestern habe ihr Abitur gerade so geschafft, arbeite kreativ und sei das komplette Gegenteil von ihr. Die Entspanntheit und Kreativität ihrer Schwester wünscht sich Henrike auch manchmal für sich selbst. Doch sie sei zu sehr damit beschäftigt, Dinge abzuarbeiten und To-dos zu erledigen.

Lasst euch helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.