Ostafrika kämpft gegen eine der schwersten Heuschreckenplagen seit Jahrzehnten. Die Tiere fressen ganze Felder leer – und sie vermehren sich massiv. Das liegt zum einen an den guten Wetterbedingungen, zum anderen an den Corona-Beschränkungen, die die Bekämpfung erschweren.

Es ist die schlimmste Heuschreckenplage seit Jahrzehnten, die die ostafrikanischen Länder gerade erleben. Riesige gefräßige Schwärme der Afrikanischen Wüstenheuschrecke sind in Äthiopien, Somalia und Kenia unterwegs, Sie fressen ganze Weizen-, Mais- und andere Getreidefelder leer. Das Ausmaß der Vernichtung ist so groß, dass beispielsweise Somalia den nationalen Notstand ausgerufen hat.

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Heuschrecken-Schwärme – so groß wie das Saarland

Die Tiere finden im Moment optimale Bedingungen vor: Monatelange Regenfälle und die Hitze führen dazu, dass sich die Tiere gut vermehren können. Und da die afrikanische Wüstenheuschrecke mehrmals im Jahr Eier legt, werden es immer mehr und mehr. Ein Heuschreckenweibchen kann bis zu hundert Eier legen. Und davon schlüpfen derzeit rund 90 Prozent, berichtet ARD-Korrespondentin Antje Diekhans in Nairobi.

Schon die zweite Heuschrecken-Welle

Über Ostafrika wüte derzeit bereits die zweite Welle der Heuschreckenplage, berichtet unsere Korrespondentin. Schon die erste Generation sei heftig gewesen: "Über Kenia wurde ein Schwarm gesehen, der 40 Kilometer breit und 60 Kilometer lang war - das ist eine Fläche, so groß wie das Saarland." Die zweite Welle zerstöre jetzt das, was noch da ist.

Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin in Nairobi
"Die zweite Welle vernichtet alles, was die erste Generation der Heuschrecken übrig gelassen hat."

Woran es liegt, dass die Heuschrecken sich zu so großen Schwärmen zusammentun und über das Land ziehen, ist Forschenden noch nicht ganz klar. Bekannt ist aber, dass sich Heuschrecken – wenn sie zu viele werden und es kaum noch etwas zu fressen gibt – eng zusammenhocken und ihre Hinterbeine aneinander reiben.

Hormon verwandelt Heuschrecken zu Wanderheuschrecken

Nach neuesten Forschungsergebnissen führt dieser Berührungsreiz dazu, dass die Heuschrecken diese Wanderform annehmen, so Biologe Mario Ludwig. Verantwortlich dafür sei die Ausschüttung des Hormons Serotonin.

"Durch die Berührung an den Beinen werden Rezeptoren gereizt, die eine massive Ausschüttung des Hormons Serotonin auslösen. Und das sorgt für die Umwandlung zur Wanderform."
Mario Ludwig, Biologe, über Heuschrecken

Der Schaden, den die Heuschrecken derzeit in Ostafrika anrichten, ist gewaltig. Manche Heuschreckenschwärme umfassen Millionen Tiere mit einem Gesamtgewicht von 1500 Tonnen. Eine erwachsene Wüstenheuschrecke nimmt täglich rund zwei Gramm Nahrung zu sich – das ist etwa so viel, wie sie selbst wiegt. Wenn sich also bis zu 150 Millionen Heuschrecken auf einem Quadratkilometer Ackerland niederlassen, sind die Felder innerhalb kürzester Zeit kahl gefressen.

Corona-Krise erschwert Heuschrecken-Bekämpfung

Die riesigen Heuschreckenschwärme sind nur noch mit chemischen Insektiziden zu bekämpfen. Diese werden mit speziellen Sprühflugzeugen ausgebracht – am besten früh morgens, wenn die Tiere noch am Boden sind.

Da aber auch in Afrika wegen der Corona-Pandemie Ausgangsbeschränkungen gelten, können die Heuschrecken derzeit nicht wirkungsvoll bekämpft werden, sagt Mario Ludwig.

"Wegen Corona ist die Bekämpfung im Augenblick schwer. Die Ausgangssperren in den betroffenen Ländern verhindern einen zeitgerechten Einsatz von Pestiziden ganz massiv."
Mario Ludwig, Biologe

Unabhängig von Corona wäre es natürlich generell wünschenswert, wenn auf die chemischen Pestizide ganz verzichtet werden könnte, so der Biologe. Bei derart großflächigen Einsätzen kämen natürlich auch andere Tiere zu Schaden. Außerdem hätten sich bei einigen Heuschreckenpopulationen bereits Resistenzen gegen bestimmte Insektizide entwickelt.

Die Wissenschaft suche aber fieberhaft nach heuschreckenspezifischen und umweltfreundlicheren Alternativen. Laut Mario Ludwig gebe es hier auch bereits erste vielversprechende Ansätze. In Tansania etwa sei eine Bekämpfung mit speziellen Pilzsporen erfolgreich getestet worden. Marktreif sei diese Methode aber noch nicht.