Stephan trifft beim Joggen sechs Bauarbeiter, die sich ein Zwei-Mann-Zelt teilen. Er beschließt, ihnen sein eigenes Zelt zu leihen, damit sie die Nacht gut überstehen. Er redet auf sie ein: Ich will das Zelt morgen zurück haben. Doch Bauarbeiter und Zelt sind verschwunden.

Wie kann man denn so was machen? Du musst vorsichtiger sein! Nicht so leichtgläubig! Jaja, im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber die Zweifel hatte Stephan Beuting vorher auch selbst. Und er hat sich trotzdem dazu entschieden, den sechs rumänischen Bauarbeitern sein Zelt zu leihen. Er hält es da mit Astrid Lindgren: Es ist besser, gelegentlich betrogen zu werden als niemandem mehr zu vertrauen.

"Das ist meine Familie, das ist unser Zelt. Ich will es zurück haben."
Stephan Beuting

Vielleicht hätte Stephan es sich mit dem Zelt anders überlegt, wenn er vorher mit der rumänischen Konsulin gesprochen hätte. Die hat ihm verraten: Wenn in Deutschland 90 Prozent der Versprechen gehalten und zehn Prozent gebrochen werden, dann ist es in Rumänien tendenziell umgekehrt.

Wie auch immer, das Zelt ist jetzt weg. Stephan ärgert sich, denn mit dem Zelt verbindet er viele schöne Erinnerungen an Urlaube mit Freunden und Familie. Er hatte sogar Vorsorge getroffen und den rumänischen Bauarbeitern Fotos gezeigt, wie seine Kinder im Zelt sitzen. "Das ist meine Familie, das ist unser Zelt, und ich will es zurück haben", hatte er damals gesagt. Damals, das war vor zwei Monaten in Bonn am Rhein, ganz in der Nähe des rumänischen Konsulats. Dort hat er die sechs Bauarbeiter getroffen, die keine Arbeit mehr hatten und deshalb zum Konsulat wollten. Es war Sonntag, und sie mussten eine Nacht rum kriegen, hatten aber nur ein Zwei-Mann-Zelt.

Ein Tunnelzelt aufgebaut auf einer Wiese
© Stephan Beuting | DRadio Wissen
Dieses Zelt hätte Stephan gern zurück.

Stephan dachte sich: Unser Zelt liegt im Keller, wir brauchen es gerade nicht. Also hat er es samt Fresskorb vorbei gebracht - und nicht zurückbekommen. Heute will er statt des Zeltes noch mehr eine Antwort. Eine Antwort auf die Frage: Warum haben es die Bauarbeiter nicht zurück gegeben?