Einem Organspender werden Organe erst entnommen, wenn sein Hirntod festgestellt ist. Seine Organe funktionieren dann noch, sein Körper ist noch warm. Ist der Hirntod also wirklich die Grenze zwischen Leben und Tod? Der Ethikrat streitet darüber.

Der Deutsche Ethikrat hat zum Thema eine Stellungnahme herausgegeben. Zurzeit dürfen Organe nur entnommen werden, wenn der Hirntod festgestellt wurde und der Patient Organspender ist beziehungsweise entscheiden die Angehörigen nach seinem mutmaßlichen Willen. Das ist die gängige Praxis in Deutschland.

Doch die Frage ist: Bedeutet der Hirntod wirklich, dass ein Mensch tot ist. Die Mehrheit im Ethikrat sagt: Ein Mensch gilt als tot, wenn der Hirntod eindeutig festgestellt wurde. Der Hirntod bedeutet, dass das Groß- und Kleinhirn sowie der Hirnstamm nicht mehr funktionieren. Die "Systemeinheit Mensch" setzt aus - eine bewusste Wahrnehmung, das Denken oder auch das Empfinden von Schmerzen sind nicht mehr möglich.

Zwei Lager im Ethikrat

Doch es gibt eine Minderheit im Ethikrat, die das anders sieht. Auch wenn das Hirn nicht mehr funktioniere, besitze der Körper durchaus noch Steuerungsfunktionen. Zum Beispiel reguliert der Körper auch bei hirntoten Menschen weiterhin die Körpertemperatur oder den Hormonhaushalt. Es gibt Fälle, in denen schwangere, hirntote Frauen gesunde Babys zur Welt brachten. Hirntote seien biologisch nicht tot, aber eine weitere Behandlung sei auch nicht sinnvoll. Eine Organentnahme sei deshalb in Ordnung, aber nur mit neuen Gesetzen.

"Position A: Der Hirntod ist ein sicheres Zeichen für den Tod des Menschen. Position B: Der Hirntod ist keine hinreichende Bedingung für den Tod des Menschen."

Denn folgt man der Argumentation dieser Minderheit, dann werden lebenden Menschen Organe entnommen. Dafür reiche der Organspende-Ausweis aber nicht aus. Denn rechtlich gehe es dann um eine "Tötung auf Verlangen", was in Deutschland bislang verboten ist. Deshalb will diese Minderheit eine Änderung im Strafgesetzbuch: Die Organentnahme bei Hirntoten soll keine "Tötung auf Verlangen" sein.

Mehr bei DRadio Wissen zu "Hirntod: Entscheider über Leben und Tod". Und im Hörsaal "Das Ende des Lebens".

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