Am 15. September 2020 unterzeichnen die Vereinigten Arabischen Emirate (VEA), Israel und Bahrain ein historisches Abkommen, mit dem sie ihre Beziehungen normalisieren wollen. Das Abkommen trägt den Namen "Abraham". Der Name soll für den gemeinsamen Ursprung von Judentum, Islam und Christentum stehen. Das Papier wird im Weißen Haus in Washington unterschrieben.

Israels Beziehungen zur arabischen Welt sind schwierig. Bisher gab es nur zwei arabische Staaten, mit denen Israel offizielle diplomatische Beziehungen hat: Jordanien und Ägypten. Nun sollen zwei weitere Staaten hinzukommen: die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain.

"Ich glaube, dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain sich in den letzten Jahren ihrer eigenen Schwäche bewusst geworden sind. Vor allem gegenüber einem regionalen Gegner: dem Iran."

Die Annäherung unter den Staaten habe schon vor einiger Zeit stattgefunden, sagt Guido Steinberg, Experte für den Nahen und Mittleren Osten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.

"Das ist der logische Abschluss einer Entwicklung, die wir seit Jahren beobachten."

Auslöser für die jetzige Annäherung sei der Arabische Frühling und die darauf folgende Expansion Irans in der gesamten Region gewesen, so Guido Steinberg. Im September 2019 griff der Iran Ölanlagen im östlichen Saudi-Arabien mit Marschflugkörpern und Drohnen an: "Die Amerikaner haben nicht militärisch reagiert, und das war aus meiner Sicht der Moment, in dem die Emirate sich ganz konkret Gedanken darüber gemacht haben, wie sie das verbesserte Verhältnis zu Israel auf eine neue Grundlage stellen können", sagt der Experte.

Eher ein Bündnis, weniger ein Friedensabkommen

Guido Steinberg sieht das Abkommen eher als Bündnis, weniger als Friedensabkommen. Um die Gemengelage zu verstehen, sei auch ein Blick auf die Politik der USA unter Donald Trump hilfreich:

Die Trump-Administration plane schon länger eine Allianz pro-amerikanischer und anti-iranischer Staaten. Und diese Allianz nehme nun langsam Gestalt an. "Israel und die VAE gehören dazu", sagt Guido Steinberg, "die große Frage ist, was mit Saudi-Arabien geschieht." Denn Saudi-Arabien ist in der arabischen Welt die Führungsmacht. Und an dieser Stelle komme nun Bahrain ins Spiel.

"Bahrain ist ein kleiner Inselstaat, eigentlich ein saudisches Protektorat. Dass die mitmachen, zeigt, dass Saudi-Arabien den Schritt begrüßt."

Dass Bahrain bei dem Abkommen mitmache, zeige, dass Saudi-Arabien dem Abkommen gegenüber positiv gestimmt sei, aber noch nicht bereit, selbst mitzumachen. Eine Neuordnung der Machtverhältnisse bringe das Abkommen vorerst nicht. "Wenn Saudi-Arabien möglicherweise irgendwann Frieden mit Israel schließt, dann – würde ich sagen – wird die Region neu geordnet", sagt Guido Steinberg.

Donald Trump feiert das Abkommen als seinen Erfolg

Die Rolle von Donald Trump könne man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Wenn sich Staaten zusammenschließen, dann steht auf der anderen Seite ein Gegner und ein möglicher militärischer Konflikt. Aus der Sicht Israels sei es allerdings ein riesiger Erfolg. Guido Steinberg vermutet, dass das auch viele Juden in den USA so sehen und dass dieser Erfolg für den US-amerikanischen Präsidenten zum richtigen Zeitpunkt komme.