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49,6 Grad zeigt das Thermometer in der Provinz British Columbia in Kanada an. Die extreme Hitze ist eine Belastung für die Bewohner*innen des Landes – es ist von Toten die Rede. Aber wann genau sprechen wir von Tod durch Hitze?

49,5 Grad wurden im kanadischen British Colunbia gemessen. Für uns kaum vorstellbar und auch die Leute in Kanada sind nicht an solch hohe Temperaturen gewohnt. "Diese Hitze ist Schwerstarbeit für unseren Körper", sagt der Arzt und Neurologe Florian Rakers, der sich mit den Folgen von Wetterphänomenen auf die menschliche Gesundheit beschäftigt.

Er rät, bei solch hohen Temperaturen die direkte Sonnenstrahlung zu vermeiden. Das sei für junge und alte Menschen gefährlich, denn die Hitzestrahlung komme so direkt auf unseren Kopf und Nacken. Dadurch seien wir gefährdet, einen Sonnenstich zu bekommen.

"Wenn wir uns der Hitze indirekt im Schatten aussetzen, müssen wir ausreichend schwitzen. Wenn wir das aufgrund von Vorerkrankungen nicht richtig können oder wenn wir nicht ausreichend getrunken haben, verändern sich die Fließeigenschaften von unserem Blut."
Florian Rakers, Arzt und Neurologe am Universitätsklinikum Jena

Die Toten, die in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit Hitze gestorben sind, seien insbesondere Patienten gewesen, die Herzkreislauf-Erkrankungen hatten, so Florian Rakers. Bei solchen Patienten sei das Blut dicker und das Herzkreislaufsystem müsse mehr arbeiten. Letztendlich seien die Verstorbenen aber eher lungenerkrankte Personen. Trotzdem: Sie sterben vermehrt an Hitze, erläutert der Arzt. Warum das so ist, wisse man noch nicht. Klar sei aber, dass insbesondere Lungenerkrankte Probleme mit Hitze hätten.

Krankheiten weisen auf Todesursache hin

Ob ein Mensch an oder mit Hitze gestorben ist, könne man auf dem Totenschein erkennen, erläutert Florian Rakers. Es gebe in dem Zusammenhang mit Hitze besondere Erkrankungen, die man kodieren und auf dem Totenschein vermerken kann. Ein Beispiel hierfür sei Hitzschlag oder ein Sonnenstich.

Laut Florian Rakers sei die Todesursache Hitze aber äußerst selten auf dem Totenschein von Patient*innen zu lesen. 2015 seien es etwa 60 Personen in Deutschland gewesen, deren Todesursache an Hitze festgemacht wurde.

"Man kann sich die Gesamtumstände angucken und dann sagen: 'Hier ist jemand mit Vorerkrankung gestorben. Er liegt leicht bekleidet und ohne Klimaanlage in der Wohnung. Aber auf das Asthma ist er gut eingestellt gewesen. Der Patient war nicht hochbetagt.' Wenn dann 50 Grad Hitze herrschen, kann man schlussfolgern, dass die Hitze einen maßgeblichen Einfluss auf den Tod gehabt hat."
Florian Rakers, Arzt und Neurologe am Universitätsklinikum Jena

Florian Rakers betont aber, dass er selbst nicht Hitzetod in den Totenschein eintragen würde. Er habe aber gehört, dass kanadische Behörden das so gehandhabt hätten.

"Hitzetod würde ich nur eintragen, wenn ich wirklich sicher bin: Da ist jemand in der Hitze gewesen ist und dann umgefallen ohne Vorerkrankung. Dann würde ich Hitzetod drauf schreiben."
Florian Rakers, Arzt und Neurologe am Universitätsklinikum Jena

Kein Hitzetod im Todesschein

Florian Rakers erklärt, dass es in einem Totenschein ein Feld für Bemerkungen gibt. Dort können Medizinerinnen eintragen, dass der Patient als Folge von Hitze gestorben ist. Um Hitze als Todesursache eindeutig festzustellen, muss man die Patienten obduzieren. Bei Menschen, die auf wärmeren Erdteilen wie der Sahara lebten, spiele Adaptation eine Rolle, so Florian Rakers.

"Wenn Sie in der Sahara aufgewachsen sind, sind 45 Grad kein Problem für sie."
Florian Rakers, Arzt und Neurologe am Universitätsklinikum Jena

Das hänge aber nicht nur mit dem Organismus zusammen. Um große Hitze zu ertragen, gehöre auch ein bestimmtes Verhalten dazu. Beispielsweise, dass man die Siesta nicht draußen in der Sonne macht, oder sich mit einer Kopfbedeckung vor der Sonne schützt.

"Wenn Sie Hitze gewohnt sind, wissen Sie auch, dass man während der Siesta nicht nach draußen geht. Sie wissen als Bewohner warmer Erdteile auch, dass Sie sich mit Kopftüchern vor der Sonne schützen. Adaptation spielt eine Rolle. Der Organismus ist in der Sahara der gleiche wie in Kanada."
Florian Rakers, Arzt und Neurologe am Universitätsklinikum Jena