Eine deutsche Uni ist weltweit am erfolgreichsten, wenn es darum geht Geld von der Industrie einzutreiben. Tolle Leistung - oder eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Lehre?

Die Ludwig-Maximilians-Universität München ist Weltmeister, wenn es darum geht Geld bei der Industrie einzusammeln. Das zeigt ein Ranking des britischen Hochschul-Magazins "Times Higher Education". Es hat ausgerechnet, wie viel Fördergelder ein Wissenschaftler im Schnitt aus Unternehmern einwirbt. Bei der LMU sind das etwa 350.000 Euro pro Wissenschaftler - so viel wie an keiner anderen Hochschule.

Aufpassen, dass Unis sich nicht abhängig machen

Das heißt allerdings nicht, dass die LMU von der Not bedroht ist. Ihr Etat liegt bei 580 Millionen Euro. Knapp ein Viertel davon sind sogenannte Drittmittel – im Prinzip alles, was aus privaten und öffentlichen Fördertöpfen zusammenkommt. Und etwa 30 Millionen davon stammen aus Unternehmern: Meistens werden diese Drittmittel für Gutachten, Stiftungsprofessuren oder einzelne Forschungsvorhaben eingesetzt.

Grundsätzlich ist diese Art der Förderung von der Regierung gewollt. Sie ist allerdings nicht ganz ungefährlich für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre, sagt DRadio-Wissen-Reporter Armin Himmelrath. Knifflig wird es etwa, wenn es um Bewertungen geht, die für die Industrie eine große Rolle spielen: etwa ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit einer neuen Autobahn.

"Einerseits wird die Unabhängigkeit der Universitäten betont, andererseits wird sie durch die Finanzierung durch Unternehmen latent untergraben."
Armin Himmelrath, DRadio Wissen

Allein ist die LMU nicht mit dieser Haltung. Auf den zehnten Platz des Rankings schaffte es auch die Uni Freiburg. In Deutschland hat sich ein Konzept der "unternehmerischen Hochschule" entwickelt, berichtet Armin Himmelrath. Die Hochschulen wissen mittlerweile, wie sie um die Industrie werben müssen. Und das müssen sie tatsächlich: Es gibt heute so viele Studierende wie nie. Bundesweit ist der Drittmittelanteil gestiegen, an einigen Unis macht er bis zu 30 Prozent aus. Gleichzeitig wird dieses Konzept immer mehr in Frage gestellt.

Europa in den Top 20

Insgesamt fällt auf, dass Europa in den Top 20 stark vertreten ist. Interessant ist jedoch auch, wer nicht in dem Ranking auftaucht: die Prestige-Unis aus den USA oder England wie das MIT, Oxford, Columbia oder Harvard. Diese Hochschulen haben in aller Regel eine gesicherte Grundfinanzierung durch den Staat sowie durch Stiftungsgelder. In Deutschland hat sich die amerikanische Idee der Stiftung-Uni bisher aber noch nicht durchgesetzt.

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