Studiert ihr? Dann könnte 2017 für euch vor allem so aussehen: Ihr steht am Kopierer an. Denn die Hochschulen und VG Wort streiten über digitale Kopien. Ab dem ersten Januar könnten viele Online-Materialien offline gehen und dann kopiert werden müssen.

Die Verwertungsgesellschaft Wort, kurz VG Wort, funktioniert ähnlich wie die GEMA in der Musikbranche. Sie vertritt Autoren sowie Verlage und sammelt für sie Geld von jenen ein, die das geistige Eigentum der Urheber nutzen. Dazu gehören zum Beispiel die Hochschulen. Die zahlen pauschal über die VG Wort, damit Lehrkräfte und Studenten wissenschaftliche Texte online einsehen und teils auch downloaden können.

Bundesgerichtshof fordert neues Abrechnungmodell

Diese Pauschale hat der Bundesgerichtshof kritisiert. Den Universitäten sei es zumutbar, genutzte Werke nicht pauschal, sondern einzeln bei der VG Wort zu melden und abzurechnen. Nach diesem Urteil haben die Kultusminister der Länder einen neuen Rahmenvertrag mit der VG Wort ausgehandelt, der ab Januar 2017 gelten soll.

Doch diesen Vertrag wollen die Hochschulen nicht unterzeichnen. Die wollen für die genutzten Texte zahlen, aber ohne riesigen Aufwand.

"Es wäre so, dass bei jedem Artikel pro Seite pro Person 0,0008 Cent abgeführt werden muss. Das muss erfasst und überwiesen werden. Man hat das in einem Modellprojekt gemessen und festgestellt, dass das ungefähr 20 Prozent mehr Arbeitsaufwand bringt."
Patrick Honecker, Pressesprecher der Uni Köln

Für Studenten kann das bedeuten, dass ihr zurück an die Kopierer müsst. Und eine Empfehlung lautet: Ladet möglichst viele Texte, die ihr auf den Lernplattformen findet, jetzt schon einmal herunter. Damit ihr ab Januar euer Material parat habt.

Aber das ist natürlich keine Lösung. Auch weil viele Unis Geld in die Digitalisierung investiert haben - also weg von den gedruckten Büchern. Zugleich wurden viele Kopierer abgebaut, weil sich der Betrieb nicht mehr gelohnt hat.

Die verschiedenen Parteien wollen aber einen Kompromiss. Denn die einen wollen, dass Geld fließt. Die anderen, dass der Lehrbetrieb normal weitergeht.

"Ich gehe davon aus, dass es wahrscheinlich eine Interimslösung geben wird. Ich glaube nicht, dass man Millionen von Studierenden an den Hochschulen jetzt ins Leere laufen lässt, indem man keine digitalen Kopien mehr zulässt."
Patrick Honecker, Pressesprecher der Uni Köln

Bis es eine Einigung gibt und neue Abläufe für die Berechnung gefunden sind, könnte das bisherige System bis zum September 2017 weiterlaufen. In der Zwischenzeit können sich VG Wort und Hochschulen zusammensetzen und an einer Lösung tüfteln.

Wir haben zu dem Thema auch mit der Studentin Mandy Gratz gesprochen, Mitglied im Vorstand der Studentenvertretung fzs.