Nach zwei Amtszeiten geht die Ära Barack Obama zu Ende. Angetreten war er unter anderem mit den Versprechen, das Land zu einen und den Irak-Krieg zu beenden. Heute sind die USA zerrissener als zuvor, und Obama war länger in Kriege verstrickt als alle seine Vorgänger. Was hat der erste schwarze Präsident der USA in seinen acht Amtsjahren erreicht? Er ist "gelungen gescheitert", findet der Politikwissenschaftler Claus Leggewie.

Eine Bilanz der Ära Obama ist gar nicht so einfach. Denn die Ergebnisse seiner Präsidentschaft sind gekennzeichnet von Extremen. Als er mit seinem viel versprechenden "Yes we can!" als Gegenentwurf zu George W. Bush antrat, erschien er vielen in den USA und im Ausland als Hoffnungsträger, wurde wie ein Popstar gefeiert, wie ein Messias begrüßt. Der große Wandel blieb dann aber aus und Obama hinter den - von ihm befeuerten - übergroßen Erwartungen zurück.

Der gefesselte mächtigste Mensch

Das lag nicht nur an ihm, sondern auch am politischen System der USA, findet der Politikwissenschaftler Claus Leggewie - den weltweit sprichwörtlich mächtigsten Menschen, den amerikanischen Präsidenten, bezeichnet er als "gefesselten Riesen".

"Das Narrativ des Scheiterns, das eine malevolente Presse dem Präsidenten seit der ersten Stunde angeheftet hatte, entspricht nicht im Mindestens den Tatsachen."
Claus Leggewie, Politikwissenschaftler

Gegen widrige Kongressmehrheiten habe Obama aber sehr wohl einiges bewirkt. Erfolgreich war er etwa in Sachen Aussöhnung mit Kuba oder mit der Einführung einer Krankenversicherung für (fast) alle Amerikaner, aka Obamacare. Gescheitert allerdings ist er zum Beispiel mit seinen Friedensbemühungen - dem offensichtlich verfrühten Friedensnobelpreis zum Trotz - oder der Überwindung der Zerrissenheit seines Landes.

"Obamas Politik der Mitte hatte kaum eine Chance."
Claus Leggewie, Politikwissenschaftler

"Yes, we can? Barack Obamas gelungenes Scheitern. Bilanz einer Präsidentschaft" heißt der Vortrag, den Claus Leggewie am 11. Oktober 2016 im KWI Essen über die Präsidentschaft Obamas gehalten hat. Leggewie ist Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen sowie des Centre for Global Cooperation Research in Duisburg. Er hat selbst in den USA gelebt und gelehrt, ist den Vereinigten Staaten erklärtermaßen zugeneigt, deshalb aber keineswegs unkritisch gegenüber dem Land und dessen Politik.

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