Wir haben alle eine digitale Existenz. Selbst wenn wir im Netz schön die Klappe halten. Und dann gibt es die User, die das nie tun. Die Digital Citizens oder die Trolle zum Beispiel.

Selbst wenn wir niemals ein Handy nutzen oder niemals den PC hochfahren würden: "Wir alle haben dennoch eine digitale Existenz", sagt der Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer von der Freien Universität Berlin. "Wir existieren längst als digitaler Datensatz in unzähligen Behördendatenbanken." Er untersucht, wie Menschen die Möglichkeiten der Online-Welt nutzen, und teilt sie dabei in Kategorien ein. Die größte nennt er: "Die schweigende Mehrheit".

Direkte Demokratie ist überschätzt

Etwa die Hälfte der User ignoriere die Möglichkeiten, sich online an politischen Themen zu beteiligen, so Emmer. Politiker und Behörden überschätzten somit die Möglichkeiten des Internets kolossal, die direkte Demokratie dadurch zu stärken. Die Digital Citizens, die online und aktiv an politischer Partizipation interessiert seien, machten nur 10 Prozent aus, so Martin Emmer.

Trolle: aggressiv und zerstörerisch

Und dann interessiert sich Emmer noch für das Phänomen der Trolle, die User, die nicht an einer sachlichen Auseinandersetzung im Netz interessiert sind, sondern mit ihren Kommentaren unter Artikeln nur stören wollen. Sie seien recht aggressiv und beteiligten sich also nur zerstörerisch.

"Ich will lieber nicht wissen, was an so Stammtischen irgendwo in Ostsachsen so besprochen wird jeden Abend nach dem fünften Bier."

Der Forscher erklärt damit, dass solche Kommentare schon immer existiert hätten, nur - etwa an Stammtischen oder in der Familie beim Frühstück - eben nicht an die breite Öffentlichkeit gelangt seien. Sein Vortrag trägt den Titel: "Zwischen Troll und Clicktivist: Herausforderungen partizipativer Online-Kommunikation für das politische System".Gehalten hat er ihn am 29.6.2015 vor dem Osi-Club des Otto-Suhr-Institutes in Berlin.

Mehr zum Thema: