Das Projekt Europäische Union (EU) ist einst mit vielen visionären Erwartungen gestartet. Doch herausgekommen ist nach Ansicht nicht gerade weniger ein Rohrkrepierer. Ob internationale Finanzkrise oder Brexit, ob Flüchtlingsverteilung oder der Umgang mit der Türkei: Fast - so scheint es - kann sich das große Konstrukt nur noch schwerlich selber duchwursteln.

In dieser Phase kommt eine Projektmanagerin der Essener "Mercator-Stiftung" daher und zeichnet die EU in schillernd bunten Farben und als eine Republik, in der ihre Bürger überglücklich leben. Was geht da bei ihr vor? Verena Ringler hat auf den "Tagen der Utopie" im österreichischen Vorarlberg gesprochen und ihre Vision eines künftigen Europa erläutert. Nicht nur spannend und interessant, auch humorvoll. 

Allerdings müssten wir noch 30 Jahre warten, bis das so weit sei. Erst einmal müssten ja die aktuellen Probleme beseitigt und Europa "gesundgeschrumpft" werden. Kleiner denken, statt groß zu tönen, ist ihr Credo. Damit meint sie vor allem, dass die Bürger mehr zu sagen haben müssten als bisher. In ihrem Gedankenspiel bringt sie diese auf Augenhöhe mit den Gestaltern. Ob beim kommunalen Haushalt oder in offiziellen EU-Beratergremien: Fachkundige Bürger wirken in dreißig Jahren politisch kräftig mit.   

"Wir haben das Spielfeld der gemeinnützigen Belange dem Spielfeld der profitorientierten Belange angepasst."
Verena Ringler, EU-Expertin

Ein Beispiel dafür ist die Digitalisierung. Anderes als heute würden in einem neuen Europa die Modernisierungsgewinne im Internet vergemeinschaftet und nicht mehr privatisiert. Um das ständig zu überwachen, sei ein "Europäisches Internetinstitut" eingerichtet worden. Passiert ist das nach einem großen Datenklau-Skandal im Jahr 2027. Dummes Geschwätz oder kompetente Prognose? Jedenfalls ein Planspiel für den dringend nötigen Aufbruch der EU zu neuen Ufern.