Zu den besonderen Rechten, die die christlichen Kirchen haben, gehört unter anderem, dass sie in den Rundfunkräten vertreten sind. Angesichts der sich religiös pluralisierenden Gesellschaft stellt sich die Frage, wie mit anderen Religionsgemeinschaften umzugehen ist, etwa den muslimischen Gemeinden.

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland gehört den beiden großen christlichen Kirchen an - rund 60 Prozent der Deutschen sind evangelisch oder katholisch. Als gesellschaftlich relevante Gruppe sind die beiden Kirchen in den Rundfunkräten öffentlich-rechtlicher Medienanstalten vertreten, und sie erhalten kostenlose Sendezeiten.

Auch die jüdischen Gemeinden genießen dieses Recht, muslimische allerdings nur in einem Rundfunkrat - und das obwohl die Muslime mit vom Bund geschätzten fünf bis sechs Prozent einen viel höheren Anteil an der Bevölkerung haben als Juden mit geschätzten 0,13 bis 0,25 Prozent (Angabe laut Zentralrat der Juden). Und dann wäre da ja noch rund ein Drittel der Bevölkerung, das keiner Konfession angehört.

"Die Institution Rundfunkrat hat Schwierigkeiten mit der immer vielfältiger werdenden Gesellschaft umzugehen."
Tim Karis, Kommunikationswissenschaftler

Der Bochumer Kommunikationswissenschaftler Tim Karis bewertet die seiner Ansicht nach fehlende religiöse Vielfalt in den Gremien kritisch und sieht Reformbedarf. In seinem Vortrag "Koschere Kochshows, muslimische Rundfunkräte und das 'Wort zum Sonntag' - Religion und Medienregulierung in Europa" erklärt er, wie die derzeitige Lage in Deutschland ist, wirft einen Blick in die Niederlande, die anders mit Religionsgemeinschaften in den öffentlichen Medien umgehen als Deutschland, und überlegt, wie eine Reform aussehen könnte.

"Zugespitzt könnte man in Bezug auf die staatliche Politik gegenüber Religionsgemeinschaften von den Alternativen "alle Rechte für alle" oder "keine Rechte für irgendeine" sprechen."
Tim Karis, Kommunikationswissenschaftler

Seinen Vortrag hat Tim Karis am 19. Juli 2016 in Münster gehalten, im Rahmen der Ringvorlesung "Religionspolitik heute. Problemfelder und Perspektiven in Deutschland". Organisiert wurde sie vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Uni Münster und dem "Centrum für Religion und Moderne" (CRM).

Der Vortrag wurde im Anschluss von Viola van Melis, der Leiterin des Zentrums für Wissenschaftskommunikation innerhalb des Exzellenzclusters, kommentiert.

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